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Geschichte findet auch im Gefrierschrank statt

Die sozialkritische Sci-Fi- und Horror-Serie »Love, Death and Robots« thematisiert auch gesellschaftspolitische Debatten

  • Von Florian Schmid
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das Streamingportal Netflix setzt derzeit ganz auf Phantastik, egal ob Science-Fiction, Fantasy oder Horror. Dabei scheint die Devise zu gelten: Je schockierender, desto besser. So auch das jüngste Produkt des Anbieters, die nach Art einer Anthologie angelegte Animations-Serie »Love, Death and Robots«. Die wurde mit ultraschnell geschnittenen und von stressig hämmernden Technobeats unterlegten Gewaltbildern beworben. In den 18 Episoden, jeweils 6 bis 17 Minuten lang, von denen einige schlicht großartig sind, spritzt zwar wie im Splatter-Genre Blut durch die Gegend, und es tummeln sich Unmengen abscheulicher Monster in den mitunter beeindruckend futuristischen Settings. Aber die in Stil und Dramaturgie sehr unterschiedlichen Filme sind weit weniger verstörend, als es der Trailer vermuten lässt. Übergreifendes Thema der Serie ist die Auseinandersetzung mit Technologie (oder - bei den Fantasyfolgen - mit Magie) und wie diese das soziale Zusammenleben der Menschen beeinflusst, verändert oder sprengt. Insofern sind die Sci-Fi-Geschichten von »Love, Death and Robots« thematisch durchaus am Puls der Zeit mit ihren gesellschaftspolitischen Debatten, wobei Fantasy und Sci-Fi nicht immer eindeutig voneinander zu trennen sind.

Bestes Beispiel ist die Folge »Gute Jagdgründe«, die zu Beginn eine chinesische Geistergeschichte um Wesen ist, die als weiße, fuchsähnliche Fabeltiere oder in Gestalt von Frauen in Erscheinung treten und als Dämonen gejagt werden. Daraus wird eine bildlich großartige Steam-Punk-Geschichte, in der Technologie, Kolonialismus und sozialer Wandel zunächst die alte Welt und ihre Zauberkräfte verschwinden lassen. Bis schließlich eine junge Frau, die sich nicht mehr in ihre Tiergestalt verwandeln kann, mithilfe einer Automatentechnologie des 19. Jahrhunderts den Kampf gegen koloniale und sexistische Herrschaftsstrukturen aufnimmt. Technologie ist hier keine Geisel, sondern wird subversiv angeeignet. Überhaupt stehen einige starke Frauenfiguren im Zentrum dieser Geschichten, etwa Sonnie, eine cyberpunk-modifizierte Kämpferin, die sich mittels digitaler Technologie in einen Monster-Avatar begibt und in einer Arena mit anderen Kreaturen ringt. Als jemand versucht, seine Wetteinnahmen zu maximieren, und sie freiwillig einen Kampf verlieren soll, spielt sie nicht mit und setzt sich zur Wehr.

Im weit größeren Teil der actiongeladenen Geschichten werden aber die üblichen Erzählstrukturen des Genres bedient und die üblichen Figuren präsentiert: Männer oder männlich stilisierte Cyborgs kämpfen heldenhaft gegen eklige Monster oder werden in brutalem Schlachtgetümmel und wilden Verfolgungsjagden im Stil militaristischer Computerspiele inszeniert. Neben vor Blut strotzender Gewalt gibt es vereinzelt auch wunderbar Ironisches. So beispielsweise die Geschichte um zwei Hipster: Die entdecken nach dem Einzug in eine neue Wohnung im Gefrierschrank des Vormieters eine Miniaturzivilisation, die von der Eiszeit über die Industrialisierung bis hin zur futuristischen Welt an einem Nachmittag im Zeitraffer ihre Entwicklung durchmacht.

Am Ende jeder dieser von der Machart her unterschiedlichen Geschichten - egal ob zweidimensionaler Zeichentrickfilm, aufwendige 3-D-Animation oder Realfilm mit Tricktechnologie - wartet eine überraschende Auflösung, die nicht immer spektakulär, mitunter aber sehr witzig ist. Dieses Potpourri an Stoffen und durchgeknallten Storylines von Regisseuren und Filmemachern aus der ganzen Welt bildet den derzeitigen Stand in Sachen Science-Fiction ab: Es gibt viel Neues, doch bei Weitem nicht alles ist gut, auch wenn es sozialkritisch daherkommt. Der Trend im Science-Fiction-Film geht immer mehr in Richtung Horror und weg von Gesellschaftskritik. Genau in diesem Spannungsfeld steht die Serie »Love, Death and Robots«.

»Love, Death and Robots«, 18 Folgen, Netflix

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