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Plötzlich parteilos

Die Piratenpartei-Politikerin Julia Reda setzt sich bereits seit Jahren für das freie Internet ein - nun kehrt sie der Piratenpartei den Rücken

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 2 Min.

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Für die Piratenpartei ist es ein riesiger Verlust. Ihre einzige EU-Abgeordnete, Julia Reda, hat überraschend bekannt gegeben, dass sie aus der Partei austritt. Als Grund nannte sie, dass ihr ehemaliger Büroleiter, Gilles Bordelais, weiterhin auf dem Listenplatz zwei der Piraten für die Europawahlen steht. Bordelais wurde sexuelle Belästigung vorgeworfen. Nach eigenen Angaben der Piratenpartei hatte diese versucht, ihn von der Liste streichen zu lassen. Wie Mitte März bekannt wurde, scheiterte dieser Versuch jedoch.

Reda bleibt sich mit ihrem Schritt treu. Seit Beginn ihrer politischen Karriere ist sie professionell aufgetreten - im Gegensatz zu manch anderen Mitgliedern der Piratenpartei, die sich bei ihrem Einzug in deutsche Stadträte gerne mit Bier- oder Club-Mate-Flaschen ablichten ließen. Mit 23 wurde Reda Bundesvorsitzende der Jungen Piraten. Zuvor war sie Mitglied der SPD, dieser Partei kehrte sie aufgrund deren Position zu Internetsperren jedoch früh den Rücken. 2013 wurde die heute 32-Jährige schließlich die erste Vorsitzende der Jungen Piraten Europas. Kurz darauf wurde Reda auf den Listenplatz eins der Piratenpartei Deutschlands für die Europawahlen 2014 gewählt.

Zuletzt hat sich Reda gegen die EU-Urheberrechtsrefom ausgesprochen und dafür viel Unterstützung geerntet. Sie ist Mitglied des Rechtsausschusses des EU-Parlaments und hat sich einen Namen als Expertin für Gesetzgebungen gemacht, die das Internet betreffen. In einer Videobotschaft ruft sie ihre Unterstützer*innen jetzt dazu auf, bei den Parlamentswahlen Ende Mai eine Partei zu wählen, die gegen die Reform gestimmt hat. Sie bittet jedoch ausdrücklich darum, nicht die Piratenpartei zu wählen. »Jede Stimme für die Piratenliste könnte die Stimme sein, dank der Gilles Bordelais ins Parlament einzieht«, so Reda. Auch sie selbst werde daher eine andere Partei wählen.

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