SG Flensburg-Handewitt

Schluss mit lustig - die erste Niederlage nach 364 Tagen

Die Handballer der SG Flensburg-Handewitt unterliegen in Magdeburg 23:24. Bei den Konkurrenten regt sich Hoffnung.

Von Jirka Grahl

Erstaunliche 32 Spiele dauerte die nationale Siegesserie der Handballer von der SG Flensburg-Handewitt an. Über den Zeitraum von 364 Tagen verloren die Titelverteidiger kein Spiel in einem nationalen Wettbewerb - Rekord. Am Donnerstagabend nun nahm die Erfolgsserie ein Ende: Mit 23:24 unterlag der bis dahin ungeschlagene Tabellenführer der Bundesliga dem SC Magdeburg, jenem Team, das den Norddeutschen zuvor die letzte Niederlage zugefügt hatte, ein 29:23 am 29. März 2018 am selben Ort.

Die Ligakonkurrenz atmet auf. Zwar besetzen die Schleswiger weiterhin die Spitzenposition mit 48:2 Punkten, aber der Nordrivale und Tabellenzweite THW Kiel (46:6) darf nach dem 26. von 34 Spieltagen wieder Hoffnungen auf die Meisterschale hegen. Die Magdeburger konnten ihrerseits dank des Sieges auf Rang drei klettern (42:10), da dem einst so ruhmreichen, derzeit abstiegsbedrohten VfL Gummersbach eine Sensation gegen Ligakrösus Rhein-Neckar Löwen gelang. Mit 28:23 fertigten die Handballer aus dem Oberbergischen Land die Favoriten aus Mannheim ab - ein herber Rückschlag für die Löwen (nun 40:10 Punkte). Die zwei Zähler gegen Gummersbach dürften sie als sicher eingeplant haben in ihrem Streben, zumindest den zweiten Tabellenplatz hinter Titelverteidiger Flensburg zu schaffen.

Nur als Meister oder Zweiter der Endabrechnung könnten sie erneut in die Champions League einziehen - die Liga, die Ruhm und Fernseheinnahmen verspricht. In greifbare Nähe gerückt ist die Königsklasse nun stattdessen wieder für die Magdeburger - dank eines umjubelten Siegtreffers vier Sekunden vor Spielende. Rechtsaußen Robert Weber traf zum 24:23- (11:12)-Endstand. SCM-Trainer Bennet Wiegert nahm dessen Siegtor wohl als eine Art ausgleichende Gerechtigkeit wahr. Schließlich hatte der Österreicher Weber in der Hinrunde gegen Flensburg den möglichen Ausgleich ebenfalls in letzter Sekunde noch verpasst: »Am Ende schreibt der Handball auch schöne Geschichten - dass Robert Weber den Ball in letzter Sekunde versenkt, der uns im Hinspiel das Unentschieden hätte retten können. Wie er den Ball reingemurmelt hat, das hat Qualität. Es freut mich ungemein für ihn, für uns und die Mannschaft.«

Auch für den Siegtorschützen war es ein ganz besonderer Abend in Magdeburg, wo er seit 2009 spielt. Weber absolviert seine Abschiedssaison beim SCM: »Eine solche Stimmung in der Arena hat man in den letzten zehn Jahren selten erlebt. Alle hatten heute hier ihren Spaß, vor allem die Magdeburger.« 6600 Zuschauer füllten die Arena bis auf den letzten Platz und sahen eine hitzige Partie mit unzähligen strittigen Situationen. Die Gastgeber vergaben mehrfach die Gelegenheit, auf drei Tore davonzuziehen; ein Unentschieden zeichnete sich ab, ehe Weber seine Teamkollegen doch noch erlöste. Die Magdeburger tanzten nach der Schlusssirene auf dem Parkett.

Flensburgs Trainer Maik Machulla hingegen wollte das Spiel so schnell wie möglich abhaken: »Dass unsere Siegesserie nun gerissen ist, schmerzt natürlich sehr. Aber wir wussten, dass der Tag irgendwann kommt und wir auch einmal ein Spiel verlieren. Deshalb ist auch keine Zeit für große Trauer. Wir sind als Tabellenführer angereist und reisen als Tabellenführer auch wieder ab.« Mit Agenturen