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Weltmeister der Organspende

In Spanien gibt es schon lange die Widerspruchslösung - diese finden selbst die Bischöfe gut

  • Von Heinz Krieger, Valencia
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nirgends in Europa gibt es, gemessen an der Bevölkerung, so viele Organspender wie in Spanien. Und nirgends werden so viele Organe auch verpflanzt. Im vergangenen Jahr waren es 5314. Das spanische Modell gilt sogar weltweit als vorbildlich. So besuchte erst kürzlich eine Delegation aus Indien unter Leitung des Gesundheitsstaatssekretärs Arun Singhal die Nationale Transplantationsorganisation (ONT) in Madrid, um zu herauszufinden, ob das spanische Verfahren als Grundlage für Verbesserungen am eigenen System dienen kann.

Was in Deutschland derzeit heiß diskutiert wird, gibt es auf der Iberischen Halbinsel seit beinahe vier Jahrzehnten: die Widerspruchslösung. Geregelt wurde sie im Gesetz 30/1979 und dem Königlichen Dekret 426/1980, die immer wieder der medizinischen Entwicklung angepasst wurde. Das Verfahren sieht vor, dass erst der Hirntod des Spenders festgestellt werden muss, und zwar von einem anderen Ärzteteam als dem behandelnden Arzt. Die Anonymität des Spenders wird gewahrt, für Organentnahme und Transplantation fallen weder bei den Verwandten des Spenders noch beim Empfänger Kosten an. Und: Der Wille des Verstorbenen gilt in jedem Fall.

Liegt kein Widerspruch vor, darf entnommen werden. Nicht jeder Spanier hat aber eine solche Verfügung zu Lebzeiten getroffen, wäre also laut Gesetz potenzieller Organspender. In der Praxis treffen dann die Hinterbliebenen die Entscheidung. Verweigern sie die Zustimmung, wird kein Organ entnommen.

Dennoch gibt es genügend Spender. Nach ONT-Angaben liegt Spanien seit 27 Jahren weltweit an der Spitze. Im vergangenen Jahr gab es 48 Spender pro eine Million Einwohner. Ihre Zahl stieg allein in den vergangenen fünf Jahren um 37 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt bei 21,5, in den USA sind es 30,8.

Im Jahr 2018 haben pro Tag durchschnittlich sechs Menschen ihre Organe gespendet, es wurden 14 Transplantationen vorgenommen. Es gab 2183 Spender bei 46 Millionen Einwohnern, in Deutschland mit seiner fast doppelt so großen Bevölkerung sind es weniger als 800. Von den in Spanien entnommenen Organen waren 3310 Nieren, 1230 Lebern, 369 Lungen und 321 Herzen. Die Wartelisten in Spanien sind etwa im Bereich der Leberoperationen um 19 Prozent kürzer geworden.

In Deutschland sind gerade kirchliche Organisationen gegen die Einführung einer Widerspruchslösung. Insbesondere die Deutsche Bischofskonferenz ist dagegen, dass jeder Verstorbene automatisch als Organspender betrachtet wird, wenn er sich nicht vorher dagegen ausgesprochen hat. Sie will den bewussten Akt der freiwilligen Organspende erhalten.

Die spanischen Bischöfe sind nicht weniger katholisch als die deutschen, aber sie sehen das Thema anders. »Organspenden heißt Leben schenken«, erinnerten die Bischöfe der Kanarischen Inseln vor drei Jahren, als in einem dortigen Hospital die 2000. Niere verpflanzt wurde. »2000 Mal dank Dir« überschrieben sie einen Hirtenbrief. Die Bischöfe Bernardo Álvarez Afonso und Francisco Cases Andreu äußerten ihre »Überzeugung, die wir mit Tausenden von Menschen teilen, dass Organspenden Leben schenken« bedeutet. Die Transplantation sei ein geeignetes Instrument, um den Hauptzweck der Medizin zu erfüllen: »den Dienst am menschlichen Leben«.

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