Werbung

Klimaschutz ist kein Kompromiss

Schülerbewegung »Fridays for Future« verlangt von der Bundesregierung Vertragstreue

  • Von Verena Kern
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Protestbewegungen folgen oft einem Muster. Zuerst gibt es viel Zulauf, viel Elan, viel Aufmerksamkeit. Mit der Zeit gehen die Beteiligungszahlen zurück, die Bewegung beginnt zu bröckeln. »Es ist schwierig, einen hohen Grad an Mobilisierung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten«, sagt der Bewegungsforscher Dieter Rucht. »Auch der ›Fridays-for-Future‹-Bewegung könnte das passieren«, meint Rucht, der kürzlich untersucht hat, wer die jungen Klimaaktivisten eigentlich sind, die seit Dezember jeden Freitag auf die Straße anstatt in die Schule gehen, um für wirksameren Klimaschutz zu demonstrieren. Der Protest der Kinder und Jugendlichen könnte im Sand verlaufen, ohne dass sich klimapolitisch viel geändert hat. Zurück bliebe eine politisierte Generation, die es immerhin geschafft hat, die Klimakrise in ihrer ganzen Dringlichkeit zu thematisieren und Politiker in Erklärungsnot zu bringen, weil die bisherigen Maßnahmen der Größe des Problems nicht angemessen sind. Doch so muss es nicht kommen: »Wenn die jungen Leute mehr erreichen wollen, müssen sie sich etwas einfallen lassen«, sagt Rucht. »Sie müssen nachlegen.«

Genau das hat »Fridays for Future« am Montag getan: Die Klimabewegung legte ein Papier mit Grundsatzforderungen vor - und das an einem Ort, der symbolträchtiger nicht sein könnte. Im Sauriersaal des Naturkundemuseums in Berlin stellten vier Aktivisten die Ziele vor, die die Bewegung von der Bundesregierung umgesetzt sehen möchte - umringt von Dutzenden Kameras und Pressevertretern, im Hintergrund die Skelette riesiger Saurier, die einst wegen klimatischer Veränderungen ausstarben, wie der Leiter des Museums, Johannes Vogel, sagte. »So wollen wir nicht enden.«

Das Papier hat eine Arbeitsgruppe aus Schülerinnen und Schülern zusammengestellt, innerhalb der Bewegung wurde es dann noch bundesweit abgestimmt, erläutert die Aktivistin Svenja Kannt. »Und wir haben jede Forderung von Wissenschaftlern auf ihre Umsetzbarkeit überprüfen lassen.«

Die Forderungen sind klar und einfach: »Fridays for Future« will, dass das 1,5-Grad-Ziel des auch von Deutschland unterschriebenen Pariser Klimaabkommens eingehalten wird. Genau genommen fordern die Kinder und Jugendlichen also nichts anderes als Vertragstreue: Die Bundesregierung soll das umsetzen, wozu sie sich verpflichtet hat.

Dafür soll Deutschland bereits 2035 die Nettonull erreichen, also Klimaneutralität. Bislang peilt die Bundesregierung dies frühestens 2050 an. Der Kohleausstieg soll bis 2030 erfolgen, nicht erst 2038, wie von der Kohlekommission beschlossen. Und bis 2035 soll die Energieversorgung zu 100 Prozent erneuerbar sein - auch hier sieht die Regierung ein viel gemächlicheres Ausbautempo vor. »Das entspricht aber nicht dem 1,5-Grad-Ziel«, sagt Sebastian Grieme von »Fridays for Future«. »Klimaschutz ist kein Kompromiss.«

Damit die Ziele des Paris-Abkommens eingehalten werden können, müssen die Treibhausgasemissionen »so schnell wie möglich stark reduziert werden«, fordern die Aktivisten und verweisen auf den Sonderbericht des Weltklimarats vom vergangenen Oktober, demzufolge die weltweiten Emissionen bis 2030 halbiert werden müssen. Damit Deutschland seinen fairen Anteil dazu beiträgt, sollen bis Ende 2019 ein Viertel der hiesigen Kohlekapazitäten abgeschaltet und die Subventionen für fossile Energieträger komplett gestrichen werden. Zudem fordert »Fridays for Future« eine CO2-Steuer auf alle Emissionen. »Diese soll sozialverträglich gestaltet sein und bei 180 Euro pro Tonne CO2 liegen«, sagt Aktivistin Sana Strahinjic.

»Am liebsten würden wir keine Forderungen stellen«, ergänzt Linus Steinmetz. »Es ist traurig, dass wir auf mehr Klimaschutz dringen müssen, obwohl das die Erwachsenen, also die Profis, tun müssten.« Es sei die Aufgabe und die Pflicht der Politik zu handeln - nicht die der jungen Generation.

Mit dem Streiken aufhören wollen die Aktivisten nicht, selbst wenn die Regierung ihre Bereitschaft signalisieren sollte, nun doch für mehr Klimaschutz zu sorgen. »Es bleibt unser Credo«, sagen die Jugendlichen: »Wir streiken, bis ihr handelt.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!