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  • Berlin
  • »Padovicz an den Pranger«

Eine Stimme für die Mieter

Die Initiative «Padovicz an den Pranger» fordert eine unabhängige Task Force

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.

Es sind schwere Vorwürfe, die die Mieterinitiative «Padovicz an den Pranger» erhebt: Die Unternehmensgruppe Padovicz (UGP), der über verschiedene Firmen allein in Friedrichshain mehr als 200 Häuser gehören sollen, würde systematisch Mieter*innen aus ihren Wohnungen vertreiben. Von überhöhten Betriebskostenabrechnungen ist die Rede, dem Ignorieren von angezeigten Mängeln, fehlender Instandhaltung und willkürlichen Mieterhöhungen.

«Das Ziel ist die Entmietung, um mit Modernisierung und Neuvermietung das Betongold abzuschöpfen», sagt Kerstin Quitsch von der Mieterinitiative «Padowatch» am Dienstag bei der Vorstellung eines neuen Dossiers über die UGP. Länger als ein Jahr hat die Initiative dafür mit Dutzenden betroffenen Mieter*innen gesprochen. Diese seien «völlig verängstigt» und trauten sich aus Angst, ihre Wohnung zu verlieren, nicht in die Öffentlichkeit.

Mathias Behnis kennt als ehemaliger Mieter die Praktiken der UGP. Als er im Jahr 2002 in eine ihrer Wohnungen in der Seumestraße zog, seien die unsanierten und stark renovierungsbedürftigen Wohnungen «in miserablem Zustand» gewesen. Die Miete war dafür umso günstiger: Knapp über fünf Euro warm zahlte der damalige Student seinerzeit pro Quadratmeter. Bis zehn Jahre später die Modernisierungsankündigung kam, und sich die Miete auf fast zwölf Euro pro Quadratmeter mehr als verdoppeln sollte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Mieter*innen, die entweder das Angebot der - meist viel kleineren - Ersatzwohnungen annahmen oder gleich ganz auszogen, entschloss sich Behnis zu klagen.

Kurze Zeit später gingen die Bauarbeiten los: Die leerstehenden Wohnungen seien entkernt, die Fenster herausgerissen und der Bauschutt einfach in den Hof geworfen worden. «Es bestand Lebensgefahr», sagt Behnis. Auch die Heizkosten seien dadurch extrem gestiegen. Auf einen Wasserschaden habe die Hausverwaltung erst nach Einschaltung des Anwalts reagiert. Auch die Strom- und die Gasversorgung sei zwischenzeitlich unterbrochen worden. Als dann noch das Schloss an der Eingangstür kaputt ging und in den Keller eingebrochen wurde, gab Behnis 2014 zermürbt auf, zog in eine andere Wohnung und einigte sich mit dem Vermieter auf einen Vergleich.

Die Mieterinitiativen der Padovicz-Häuser wollen sich derlei Entmietungsstrategien nicht länger gefallen lassen. Gestärkt durch die Enteignungsdebatte und die Mietendemonstration, wollen sie mit dem Dossier eine «systematische Reputations᠆schädigung» des öffentlichkeitsscheuen Unternehmers erreichen.

Padovicz selbst und die UGP waren auf Nachfrage nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch eine schriftliche Anfrage des «nd» blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Anders als die Enteignungs-Initiative setzt «Padovicz an den Pranger» auf schnell umsetzbare Maßnahmen, so der Sozialwissenschaftler und politische Aktivist Peter Grottian. «Wir fordern eine unabhängige Task-Force, die direkt beim Regierenden Bürgermeister angesiedelt ist.» Die Untersuchungsgruppe solle Mieterklagen aufnehmen und Eingreifmöglichkeiten erhalten. So könnten skrupellose Vermieter unter Rechtfertigungsdruck gesetzt und Mieterbewegungen gestärkt werden. «Es ist die blanke Angst, die die Mieter auf die Straße treibt, so Grottian.

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