Werbung

Die Balance bleibt doch gewahrt

Sachsens LINKE wählt Kandidatenliste für die Landtagswahl / Ringen um Regionalproporz

  • Von Hendrik Lasch, Leipzig
  • Lesedauer: 4 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Rico Gebhardt führt die LINKE-Landesliste an.
Rico Gebhardt führt die LINKE-Landesliste an.

Es passiert nicht eben oft, dass bei der Aufstellung von Bewerbern für einen Landtag ein Kandidat seinen Hut erst in den Ring wirft und ihn dann wieder herausklaubt. Tim Detzner, der Stadtchef in Chemnitz, rang sich bei der Listenaufstellung der LINKEN für die Wahl im September dazu durch. Es gebe eine Absprache der Kreisvorsitzenden, wonach bis Platz 24 der Liste jeder Kreisverband mindestens einmal vertreten sein sollte, sagte er. Als Detzner sich bewarb, war die Versammlung indes bereits bei Platz 20 angelangt, und mit Meißen und Zwickau waren zwei der 13 Regionen leer ausgegangen. Der Chemnitzer warb für beide, zog zurück - und die gut 240 Vertreter beherzigten seinen Appell: Alexander Weiß aus Zwickau und Tilo Hellmann aus Meißen landeten auf den Plätzen 20 und 24.

Damit nahm die Kandidatenkür ein versöhnliches Ende, die ganz nach Plan begonnen, zwischenzeitlich aber für Groll gesorgt hatte. Die Versammlung wählte zunächst Rico Gebhardt, den 55-jährigen Fraktionschef, zum Spitzenkandidaten für die Wahl am 1. September und folgte so dem Votum eines Mitgliederentscheids. Dort hatte Gebhardt 88,7 Prozent erhalten; am Samstag wurde er mit 77,6 Prozent auf Listenplatz 1 gesetzt.

Auch danach hielten sich die Vertreter zunächst weitgehend an den in Gremien ausgehandelten und sorgsam austarierten Listenvorschlag, bei dem man sich nach den Worten der Landesvorsitzenden Antje Feiks »viele Restriktionen auferlegt« habe. Unter den 20 Vorgeschlagenen sollten sich sechs Parlamentsneulinge, zwei Jugendvertreter sowie eben Vertreter aller Kreisverbände finden, von denen einige ihre Wunschkandidaten vorab benannt hatten. Zugleich jedoch strebten von jetzt 27 Abgeordneten 20 wieder ein Mandat an.

Die Balance blieb lange gewahrt. Die Basis wählte die Chemnitzer Sozialpolitikerin Susanne Schaper auf den zweiten und Feiks auf den dritten Platz. Deren mit 60,6 Prozent eher mageres Ergebnis dürfte mit der Enttäuschung jener zu erklären sein, die mit dem von der Landeschefin verantworteten Personalvorschlag nicht glücklich waren. Zwei weitere Mitglieder eines von Gebhardt benannten, aus vier Frauen bestehenden »Kernteams«, Marika Tändler-Walenta aus Mittelsachsen und Sarah Buddeberg aus Dresden, kamen auf die Plätze 5 und 6. Dass sich Marco Böhme aus Leipzig dazwischen schieben konnte, lag im Wahlverfahren begründet: Abgestimmt wurde im Block über je drei Kandidaten; deren Reihenfolge bestimmte die jeweilige Quote an Ja-Stimmen. Ohne Erfolg blieb der Versuch des Leipziger Lehrers Marco Götze, sich als Bildungsexperte einen vorderen Platz zu sichern. Er kritisierte, dass auf der Liste »alles sorgsam austariert wurde - außer den wichtigen Themen«.

Auf weitere Plätze kamen die Jugendvertreterin Anna Gorskih, Franz Sodann aus Leipzig, Luise Neuhaus-Wartenberg aus Nordsachsen, Mirko Schultze (Görlitz), Kerstin Köditz aus Westsachsen und der Chemnitzer Nico Brünler. Nach Platz 12 indes wurde dem Listenvorschlag nicht mehr in jedem Fall gefolgt. Platz 14 errang der dort zunächst nicht berücksichtigte, für seinen unorthodoxen Politikstil bekannte Hochschulpolitiker René Jalaß; die Leipzigerin Jule Nagel, die 2014 das einzige Direktmandat für ihre Partei geholt hatte, kam auf Platz 15. Ihre Befürworter betonten, dass beide bei der CDU »Schaum vor dem Mund« verursachten. Auf Platz 13 steht Antonia Mertsching, die in entwicklungspolitischen Netzwerken arbeitet und ihre Entscheidung für die LINKE damit begründet, dass man »die Roten grüner, aber die Grünen nicht roter machen« könne. Ab Platz 16 folgen Lutz Richter (Sächsische Schweiz), Janina Pfau aus dem Vogtland und der Dresdner Fraktionschef André Schollbach. Platz 19 erkämpfte mit der Finanzexpertin Verena Meiwald erneut eine Abgeordnete, die es zunächst nicht auf den Listenvorschlag geschafft hatte. Dadurch rutschte Marion Junge als erste Vertreterin aus Bautzen auf Platz 21.

Auch dieser gilt angesichts aktueller Prognosen, welche die LINKE bei 17 Prozent sehen, als sicher. Eher ungewiss ist ein erneuter Landtagseinzug dagegen für Bewerber wie Jana Pinka (Mittelsachsen), die unter Anspielung auf ihre Parlamentserfahrung geworben hatte, die Partei möge »ihre Schlachtrösser nicht vergessen«. Sie kam trotzdem nur auf Platz 25, gefolgt von Innenexperte Enrico Stange, der mit dem Anlauf auf einen aussichtsreicheren Platz scheiterte, obwohl Spitzenkandidat Gebhardt persönlich für ihn warb. Dieser hatte die Partei zuvor auf einen engagierten Wahlkampf eingeschworen und betont, die LINKE werde in Sachsen zwar »Garant für einen Politikwechsel« sein, aber »kein Mehrheitsbeschaffer für irgendeine Koalition«.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen