Reparationen

Sprecht mit den Griechen!

Aert van Riel über Reparationsforderungen aus Athen

Von Aert van Riel

Das Thema Reparationen für die NS-Zeit ist nicht vom Tisch. Deutsche Vertreter sollten der Forderung des Athener Parlaments vom Mittwoch nachkommen und mit Griechenland über diese Frage verhandeln. Dabei geht es um eine Summe von 250 bis 300 Milliarden Euro. Die deutsche Behauptung, dass alles bereits in den bestehenden Verträgen erledigt sei, lässt sich leicht widerlegen. Zwar wurde 1960 ein Wiedergutmachungsvertrag geschlossen, in dem sich die Bundesrepublik bereit erklärte, eine läppische Summe von 115 Millionen Mark zur Verteilung an die griechischen Opfer der nationalsozialistischen Besatzung zu zahlen. In einer Zusatznote dieses Vertrags heißt es aber, dass griechische Reparationsansprüche durch diese Wiedergutmachung nicht betroffen seien.

Berechtigt ist die Frage, warum gerade jetzt in Griechenland wieder über Reparationen diskutiert wird. Dies hängt mit der dominanten Rolle zusammen, die Deutschland in der Europäischen Union spielt. Insbesondere die Bundesregierung hatte neben der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds das Athener Kabinett unter Druck gesetzt, eine radikale Kürzungspolitik zu betreiben, damit der verschuldete südosteuropäische Staat im Gegenzug Kredite erhält. Dazu zählten auch Renten- und Lohnkürzungen. Eine eigenständige Politik war für Griechenland nicht mehr möglich. Zwar hat das Land seit einiger Zeit den sogenannten EU-Rettungsschirm verlassen, aber die Armut grassiert noch immer. Hinzu kommt, dass die Geldgeber von ihren »Hilfeleistungen« für Griechenland profitiert haben. Die Bundesrepublik strich einen Milliardenbetrag aus Zinseinkünften ein.

Es ist verständlich, dass sich viele Griechen respektlos behandelt fühlen. Als das Land vor dem Bankrott stand, war in der deutschen Öffentlichkeit nirgendwo die Überlegung zu hören, dass man mit seinem EU-Partner auch deswegen anders umgehen sollte, weil die Schergen des Nazireichs für den Tod von Hunderttausenden Griechen verantwortlich waren und die jüdische Gemeinde beinahe vollständig ausgelöscht, die Wirtschaft ausgeplündert und letztlich die Infrastruktur weitgehend zerstört hatten. Gegenüber den Ländern, in denen Deutsche noch vor wenigen Jahrzehnten solche Verbrechen begangen haben, ist Zurückhaltung angebracht. Stattdessen haben viele deutsche Medien und Politiker wie Kanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble während der griechischen Wirtschaftskrise eine beschämende Überheblichkeit an den Tag gelegt. Es bleibt zu hoffen, dass sie dafür eines Tages die Rechnung präsentiert bekommen.