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Selbsterfüllend

Uwe Kalbe über die Entscheidung der ukrainischen Wähler

  • Von Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 2 Min.

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Der Bildschirm zeigt die Ergebnisse der Nachwahlbefragung während einer Pressekonferenz in der Wahlkampfzentrale des amtierenden ukrainischen Präsidenten Poroshenko.
Der Bildschirm zeigt die Ergebnisse der Nachwahlbefragung während einer Pressekonferenz in der Wahlkampfzentrale des amtierenden ukrainischen Präsidenten Poroshenko.

Der Triumph des Außenseiters Wolodymyr Selenskyj kann beides sein - Ergebnis von Weltuntergangshumor der ukrainischen Wähler oder ihrer Bereitwilligkeit, den schönen Schein des Kandidaten aus der Präsidentenserie im Fernsehen für das reale Leben zu nehmen. Hinzu kommt die deklassierende Ablehnung des bisherigen Amtsinhabers. Die Botschaft ist klar: Alles gilt den Wählern besser als ein Weiter-so. Dabei sind die Ukrainer alles andere als verwöhnt, was die Seriosität ihrer politischen Häupter angeht. Ein endloser Wechsel von Führungsfiguren mit zweifelhaftem Habitus, undurchschaubarer Herkunft von Vermögen und Einfluss, die sich durch militante Sprache und hohe Emotionalität abzuheben suchen, wo Abwägung und Ausgleich nötig wären - die Wahl eines Komikers wirkt da wie die selbsterfüllende Prophezeiung allen Endes rationaler Politik.

Die Ukrainer sind seit Jahren Spielball internationaler Mächte - zwischen der von außen geschürten, aber leeren Verheißung westlichen Lebensstandards und der realen Misere einer vom Krieg ausgezehrten Wirtschaft, die der traditionellen Verbindungen nach Russland verlustig geht, klaffen Welten. Die Bundesregierung hat in einer undiplomatischen Geste Amtsinhaber Poroschenko mitten im Wahlkampf empfangen und so mit einer Art fehlgeschlagenen Wahlempfehlung versehen - in völliger Fehleinschätzung der Lage oder arroganter Ignoranz derselben? Auf der anderen Seite wirkt die spröde bis unhöfliche Reaktion aus Moskau auf die Wahl Selenskyjs wie ein Orakel, das nichts Gutes ahnen lässt.

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