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Defoe und sein Kritiker

Robinson Crusoe wird 300 Jahre alt

  • Von Klaus Bellin
  • Lesedauer: 3 Min.

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Er hatte schon allerhand hinter sich, als er auf die Idee kam, einen Roman zu schreiben. Hatte als Kaufmann 1682 bankrott gemacht und war im Schuldenturm gelandet. Hatte ein satirisches Gedicht verfasst, das die Ausländerfeindlichkeit der Engländer und die Anglikanische Kirche aufs Korn nahm, und gleich darauf noch ein Pamphlet, das deren Hardliner attackierte.

War wegen Volksverhetzung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und an den Pranger gestellt worden, von den Londonern aber nicht mit faulen Eiern, sondern mit Blumen beworfen, hatte als Journalist gearbeitet und versuchte sich nun als Erzähler. Er nannte seinen Roman »Das Leben und die höchst merkwürdigen Abenteuer des Robinson Crusoe aus York, Seemann«. Das Buch erschien am 25. April 1719, erreichte noch im selben Jahr die vierte Auflage und wurde ein Welterfolg.

Daniel Defoe (1660 - 1731) schenkte den Lesern noch weitere herrliche Romane, 1722 »Moll Flanders« und 1724 »Roxana«, aber keine dieser Schöpfungen ist auf so viel Begeisterung gestoßen wie die von realen Tagebüchern inspirierte Geschichte des Robinson Crusoe, der sich weigert, ein sesshafter Bürger zu werden und zur Strafe von Gott auf eine entlegene Insel verbannt wird. Dort, in der Einsamkeit, wird er lernen, sich zu behaupten und mit Energie und Disziplin, assistiert von Freitag, dem lieben Burschen an seiner Seite, ein vernünftiges Leben zu führen, gegründet auf Gottvertrauen und die eigene Kraft.

Rousseau meinte, man müsse dieses von aufklärerischer Gesinnung durchdrungene Buch allen Heranwachsenden die Hand geben. Sie lasen es später meist in den zahllosen Bearbeitungen, die vor allem auf die Abenteuer des Schiffbrüchigen setzten.

Einer jedoch, Charles Gildon (1665 - 1724), ein Kollege und Gegner Defoes, nahm übel. Noch im selben Jahr zitierte er in einem anonym veröffentlichten Dramolett den Autor vors Tribunal seiner Figuren. Robinson und Freitag protestierten. Sie seien, klagten sie, als seltsame Wesen dargestellt worden, »die im Widerspruch stehen zum gesunden Menschenverstand und zersetzend sind für Religion und Moral«, und überhaupt strotze das Buch vor Ungereimtheiten. Der aufgebrachte Gildon ließ keinen guten Faden an der Geschichte. Für ihn war das alles Aberglaube und üble Gotteslästerung.

Die Anklage, kuriose und amüsante Fußnote in der langen Erfolgsgeschichte des »Robinson Crusoe«, nie auf deutsch verfügbar, jetzt von Rolf Schönlau übersetzt und mit Anmerkungen sowie einem Nachwort versehen, ist soeben in einem attraktiv gestalteten Heft der noblen Friedenauer Presse erschienen, eine überraschende Ausgrabung zur Feier des Romanjubiläums und eine vergnügliche Lektüre auch nach dreihundert Jahren.

Charles Gildon: Gegen Defoe. Robinson Crusoe und Freitag stellen ihren Autor zur Rede, Friedenauer Presse, 24 Seiten, fadengeheftete Broschur, 12 €.

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