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Die Party wird verschoben

RB Leipzig kann keine drei Jahre nach dem Bundesligadebüt seinen ersten Titel gewinnen

  • Von Frank Hellmann, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ulrich Wolter ist einer jener emsigen Angestellten bei RB Leipzig, die sich noch gut an die weniger schillernden Zeiten erinnern können. Etwa an ein Aufstiegsspiel inmitten von Maisfeldern am Autobahnkreuz Lotte, wo im Sommer 2013 die Weggabelung für das in den deutschen Profifußball drängende Red-Bull-Konstrukt stand.

Der 45-jährige Wolter, der ein Jahr zuvor beim sächsischen Emporkömmling die Bereiche Spielbetrieb und Organisation übernommen hatte, kann sich noch genau an das Drama bei den Sportfreunden mit einem Gegentor in der Nachspielzeit und zwei Verlängerungstreffern zum Aufstieg in die 3. Liga erinnern. Umso mehr kann er wertschätzen, was es bedeutet, sechs Jahre später beim Pokalfinale in Berlin mitwirken zu dürfen.

Der Zeitpunkt könnte aus Sicht eines Marketingstrategen passender kaum sein: Am 19. Mai feiert das vom Brausekonzern ersonnene Konstrukt RasenBallsport Leipzig e.V. sein zehnjähriges Bestehen, die große Sause steigt jetzt aber doch erst sechs Tage später. Zum Endspiel im Olympiastadion. Niemand muss fürchten, dass dort zu wenige Sachsen Unterstützung leisten. Im Volksparkstadion zelebrierten 4300 Anhänger nach dem 3:1-Halbfinalerfolg beim HSV ein ordentliches Spektakel.

Den identitätsstiftenden Prestigeerfolg nach Treffern von Yussuf Poulsen (12.), Vasilije Janjicic (53./Eigentor) und Emil Forsberg (72.) hatte sich die formstärkste Mannschaft des Jahres 2019 verdient. »Wir spielen den erfolgreichsten und attraktivsten Fußball seit der Vereinsgründung«, stellte Vorstandschef Oliver Mintzlaff fest, um eine Eloge auf den großen Baumeister anzubringen. »Ralf Rangnick und diese Mannschaft sind wunderbar zusammengewachsen.«

Allerdings erst, nachdem Leipzig mit einem kargen 1:1 gegen Rosenborg Trondheim im Dezember unrühmlich von der internationalen Bühne schied. Seitdem tritt RB in den nationalen Wettbewerben das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Trainer Rangnick bekräftigte, dass die energischen Auftritte in der Rückrunde nicht möglich wären, »wenn wir donnerstags um 21 Uhr in der Europa League in Kasachstan spielen und dann sonntags der Musik in der Bundesliga hinterherhecheln müssten - das merkt auch Eintracht Frankfurt.«

Nun ist es eine müßige Diskussion, ob dafür der Europapokal so geringgeschätzt werden darf, aber aus Leipziger Sicht läuft alles in die richtige Richtung. Auch der zwischenzeitliche Denkzettel für die zu handyaffinen Jungstars Jean-Kevin Augustin und Nordi Mukiele gehörte zum Reifeprozess, der am 25. Mai vergoldet werden soll. »Man fährt zum Finale, um das Ding zu gewinnen«, stellte Mintzlaff klar. Und auch Rangnick, mit dem FC Schalke 04 bereits 2011 Pokalsieger, inspiriert die Perspektive: »Wenn du im dritten Bundesligajahr die Chance hast, schon einen Titel zu gewinnen, sagt das alles über die Entwicklung aus.« Schon am Wochenende gegen den SC Freiburg kann zudem die erneute Qualifikation zur Champions League festgezurrt werden, »dann haben wir vier Wochen Vorbereitung fürs Pokalfinale«, frohlockte Rangnick.

Bemerkenswert, dass der Projektleiter weitgehend altbekannten Protagonisten vertraut. »In unserer Startelf standen sieben Spieler, die vor drei Jahren mit mir zusammen in die Bundesliga aufgestiegen sind«, betonte der 60-Jährige. Dieses Zeichen von Kontinuität solle ihm ein anderer Klub erst mal nachmachen.

Torwart Peter Gulacsi, die Abwehrspieler Willi Orban, Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg oder die Offensivkräfte Marcel Sabitzer, Forsberg und Poulsen sind mit der Leipzig-DNA versehen. Wenn sie heute viel, viel mehr verdienen als früher, steckt darin der Lohn für eine teils erstaunliche Entwicklung, die sich wie im Fall des Dänen Poulsen genauso explosionsartig vollzieht wie die des gesamten Klubs. »Vom Gefühl her kann uns im Moment keiner schlagen«, erklärte der Torjäger grinsend. »Wir haben an Qualität, Abgezocktheit und Konstanz gewonnen«, fügte Orban hinzu.

Dass ab Sommer Julian Nagelsmann das Leipziger Traineramt übernimmt, beinhaltet Chance und Risiko zugleich. Rangnick, der dann wieder nur Sportdirektor sein wird, kann bekanntlich schnell ungeduldig werden, wenn Erfolg ausbleibt. Mintzlaff aber glaubt: »Ein junger Trainer und ein erfahrener Sportdirektor geben eine noch erfolgreichere Kombination.«

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