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Migranten in der Falle

Der Krieg in Libyen hat fatale Folgen für Flüchtlinge

  • Von Mirco Keilberth, Tunis
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mitglieder einer Einheit, die mit der international anerkannten Regierung verbündet sind, sitzen auf einem Panzer.
Mitglieder einer Einheit, die mit der international anerkannten Regierung verbündet sind, sitzen auf einem Panzer.

Die Kämpfe um die libysche Hauptstadt Tripolis gehen weiter. Der Verteidigungsminister der Nationalen Einheitsregierung, Fadi Bashaga, vermeldete am Mittwoch, dass Brigaden aus Misrata und diverse Hauptstadtmilizen die ostlibysche Armee LNA an den südlichen Stadtrand verdrängt haben. Doch deren Kommandant Khalifa Haftar holt angeblich Verstärkung. Tausende Kämpfer seiner 100 000 Mann starken Armee sollen sich auf dem Weg befinden.

Über 30 000 Libyer sind seit Beginn der Kämpfe um Tripolis auf der Flucht. Unweit der Frontlinie zwischen den Hauptstadtmilizen und der Haftars LNA sitzen mehr als 3600 Migranten in Gefängnissen. Einige der wegen »illegaler Migration« von Milizen Eingesperrten berichten, dass bewaffnete Gruppen sie dazu zwingen würden, Verteidigungsgräben auszuheben oder Munition zu schleppen.

Seit dem Beginn der Kämpfe vor drei Wochen waren immer wieder Querschläger und Granaten neben den Lagern im Süden von Tripolis eingeschlagen. 600 Gefangene aus Eritrea, Sudan und Nigeria protestierten am vergangenen Montag in dem Gefängnis von Qasr bin Ghaschir gegen diese Zustände. Soldaten der LNA unterstehenden 9. Brigade aus der Stadt Tarhuna schossen daraufhin mit Kalaschnikows in die Menge. Nach Augenzeugenberichten gab es zwölf Verletzte und zwei Tote.

Das UNHCR evakuierte am Mittwoch 325 Migranten mit Bussen in die Küstenstadt Zauwia. »Das Risiko für Flüchtlinge und Migranten in Libyen war noch nie größer als jetzt«, sagte der stellvertretende Missionschef Matthew Brook.

Da der Flughafen Maitiga für Passagiermaschinen nur nachts geöffnet ist und schon mehrmals bombardiert wurde, können nur wenige Migranten ausgeflogen werden. In dem Flüchtlingslager Gharian grassiert der Typhus. Da die Helfer der Hilfsorganisation Roter Halbmond wegen der Kämpfe in der Stadt nur selten Zugang zu den 2000 Insassen dort haben, sammeln Migranten in Tripolis Geld und lassen die Medikamente per Mittelsleute schicken.

Ein für die EU tätiger Analyst zweifelt aber, dass die schlimmen Zustände in den von der Weltflüchtlingssagentür UNHCR in Kooperation mit dem libyschen Innenministerium verwalteten Lagern durch den aktuellen Konflikt ausgelöst worden sind. Er habe wie viele Journalisten keinen Zugang zu den Lagern in Tripolis erhalten. »Aus ersichtlichen Gründen«, sagt der Italiener, der anonym bleiben möchte, »in vielen Lagern haben weiterhin die Milizen das Sagen.«

Jedoch haben während des Krieges die Folter und Lösegelderpressungen durch das Wachpersonal landesweit zugenommen, wohl mehr als 6000 Migranten sitzen in den offiziellen Gefängnissen an der westlibyschen Küste. Wie viele in den Lagern einsitzen, die von vielen vor Ort als »Ghettos« bezeichnet werden, weiß niemand. Doch der Fluchtweg nach Europa ist versperrt. Wegen der Patrouillen der von der EU aufgerüsteten Küstenwacht legen nur noch wenige Boote gen Norden ab, in Algerien aufgegriffene Migranten werden oft an der Grenze zum Niger mitten in der Sahara ausgesetzt. Das neue Ziel für viele heißt also Tunesien. Zurzeit greift die tunesische Armee täglich Dutzende Migranten auf, die sich nach tagelangen Fußmärschen an die Grenze durchgeschlagen haben.

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