Kameruner stirbt nach Übergriff in Psychiatrie

Polizei ermittelt an der Hamburger Uniklinik

  • Lesedauer: 2 Min.

Fünf Tage nach einem Übergriff von Mitarbeitern einer Tochterfirma des Hamburger Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) auf einen aus Kamerun stammenden Patienten ist der 34-Jährige am Freitag verstorben. Das teilten Organisationen der Black Community am Samstag mit.

Das gewalttätige Vorgehen der Beschäftigten eines Sicherheitsdienstes gegen den Mann, der sich freiwillig in der Einrichtung aufhielt, hatte bereits in der vergangenen Woche Proteste ausgelöst. Jetzt ermittelt das Landeskriminalamt wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge, wie die Polizei am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Bereits zuvor wurden Ermittlungen gegen eine Ärztin und drei Mitarbeiter der Klinik Logistik & Engineering, einer Tochter des UKE, Ermittlungen eingeleitet. Der Leichnam des 34-Jährigen soll zur Klärung der Todesursache obduziert werden.

Das UKE bestätigte den Tod des Kameruners. »Der Patient hatte sich der Anordnung der Unterbringung widersetzt und musste von dem zwischenzeitlich hinzugerufenen Sicherheitsdienst des UKE fixiert werden, als er aus bisher ungeklärten Umständen zusätzliche medizinische Hilfe benötigte«, heißt es in einer Stellungnahme des Klinikums.

Laut der Erklärung von 24 Vereinen und Initiativen der Black Community hatte der 34-Jährige die psychiatrische Tagesklinik des UKE aufgesucht. Medikamente, die ihm dort verordnet wurden, wollte er jedoch nicht einnehmen. Vielmehr verließ er das Gebäude und setzte sich nach Angaben von Augenzeugen draußen auf eine Bank. Die Security-Mitarbeiter sollen ihn dort zunächst aufgefordert haben, das Medikament einzunehmen. Nachdem er dies abgelehnt hatte, sollen sie ihn gepackt, zu Boden geworfen und getreten haben. Zudem sollen sie ihn fixiert und ihm eine Spritze verabreicht haben. Patienten riefen aufgrund der brutalen Szenen die Polizei. Ein Arzt versuchte laut Augenzeugenberichten 20 Minuten lang erfolglos, den Patienten wiederzubeleben. Dann sei der 34-Jährige auf die Intensivstation des UKE gebracht worden.

Der LINKE-Bürgerschaftsabgeordnete Deniz Celik äußerte sich am Sonntag entsetzt über den Vorfall und forderte vollständige Aufklärung. Generell gehörten der Einsatz von Sicherheitsleuten und Zwangsmaßnahmen in den Hamburger Kliniken auf den Prüfstand, erklärte Celik. Der Gesundheitsausschuss des Parlaments müsse sich »unter Beteiligung der Verantwortlichen des UKE« mit den Vorgängen befassen.

Die Organisationen der Black Community sprechen sich in ihrer Resolution für eine sofortige Suspendierung »der gewalttätigen ›Sicherheitskräfte‹ und interne wie gerichtliche Ermittlungen gegen sie« und Konsequenzen für die an der »tödlichen Körperverletzung beteiligten Ärzt*innen und Pfleger*innen« aus. Sie verweisen darauf, dass eine Zwangsbehandlung gegen den Willen des Betreffenden nur mit richterlichem Beschluss zulässig sei. nd

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