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Ultimaten und Kritik an RWE

Umweltorganisationen kritisieren den Energiekonzern auf der Aktionärshauptversammlung / Fridays for Future erhält Redezeit

  • Lesedauer: 3 Min.

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Essen. Anlässlich der Hauptversammlung von RWE haben Klimaschützer den Energiekonzern scharf kritisiert und einen sofortigen Ausstieg aus der Kohle gefordert. Die Bewegung Ende Gelände setzte RWE ein Ultimatum bis Mitte Juni und drohte andernfalls mit harschen Protesten. Vorstandschef Rolf Martin Schmitz beschwor vor den Aktionären in Essen den Wandel hin zu einer »neuen RWE« mit einem Fokus auf erneuerbare Energien. Greenpeace und der BUND warfen RWE Unglaubwürdigkeit vor.

Ende Gelände kritisierte, die RWE-Braunkohletagebaue seien »eine der größten CO2-Quellen Europas und somit einer der Orte, der die Klimakrise verursacht«. Sollte RWE bis zum 19. Juni nicht aus der Kohle aussteigen, »werden sich aus ganz Europa tausende Klimaaktivisten auf den Weg ins Rheinland machen«, kündigte die Bewegung an. Aktivisten würden mit »zivilem Ungehorsam die Notbremse ziehen« und mit Protestaktionen die Tagebaue stilllegen.

Die Hauptversammlung von RWE begann am Vormittag begleitet auch von Protesten der Schüler-Bewegung »Fridays for Future«. Vorstandschef Schmitz sagte vor den Aktionären, er finde es »gut«, dass sich die jungen Menschen für das Thema interessierten. Es lohne sich, für den Klimaschutz »seine Stimme zu erheben«.

Und das tat Luisa Neubauer dann auch. Die Studentin und Aktivistin der Klimaschutz-Bewegung »Fridays for Future« hatte mit Hilfe der bei RWE vertretenen kritischen Aktionäre Rederecht bei der Hauptversammlung erhalten. »Kein Konzern in ganz Europa trägt mehr Verantwortung für die Klimakrise als RWE«, hielt sie den Aktionären im Saal vor. Die RWE-Anteilseigner verkauften »ihre Verantwortung für ein paar Cent Rendite«. Die Aktionäre dürften sich nicht zu schweigenden Komplizen von Konzernchef Schmitz machen.

Wer nach 2030 noch ernsthaft plane, Kohle zu verstromen, »hat nicht verstanden, in welcher Krise wir sind«, kritisierte Neubauer. »Wie können Sie das vor mir und meiner Generation verantworten.« »Fridays for Future« fordert, ein Viertel der Kohlekraftwerke bereits bis zum Ende dieses Jahres abzuschalten und bis 2030 ganz aus der Kohleverstromung auszusteigen. Die Kohlekommission der Bundesregierung hatte das Kohle-Aus erst für 2038 empfohlen.

Greenpeace warf RWE vor, die Menschen »für dumm verkaufen« zu wollen. Luftaufnahmen der Umweltschutzorganisation zeigten, dass die Bagger des Konzerns »in den vergangenen Monaten immer näher an den Hambacher Wald heran graben«. Damit ignoriere das Unternehmen den Wunsch der Kohlekommission zum Erhalt des Waldes. Der Konzern müsse einen klaren Fahrplan vorlegen, wie er im Einklang mit den Pariser Klimazielen aus der Kohle aussteige und den Hambacher Wald schütze, forderte Greenpeace.

Kritik zu hören bekam Schmitz aber auch von ganz anderer Seite. Winfried Mathes von der Sparkassentochter Deka Investment warf dem Konzernchef vor, mit seinem langen Beharren auf der Abholzung des Hambacher Forsts RWE einen Reputationsschaden zugefügt zu haben. Deka werde für die Nichtentlastung des Vorstands stimmen, kündigte Mathes an. Das solle ein Anreiz sei, damit Schmitz »RWE möglichst schnell in eine kohlefreie Zukunft« führe.

Auch der BUND erklärte, niemand nehme RWE ein »neues grünes Image ab, solange der Konzern am Tropf der Braunkohle hängt«. RWE sei weit vom Wandel entfernt. Die Aktionäre sollten dem Vorstand Einhalt gebieten und ihm die Entlastung verweigern, forderte die Organisation. Doch einen Aufstand der Aktionäre, die beim Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer dem Vorstand spektakulär die Entlastung verweigert hatten, musste Schmitz aber nicht befürchten. Dafür sorgen schon Kursgewinne, die RWE im vergangenen Jahr zum zweitbesten Dax-Titel gemacht hatten, wie Thomas Deser von Union Investment lobte.

Das Bündnis Klima-Allianz Deutschland verwies ebenfalls auf den bedrohten Hambacher Wald. RWE setze »Menschen unter Druck, ihre Häuser aufzugeben, obwohl sie bei einer klugen Umsetzung des Kohlekompromisses dort wohnen bleiben könnten«. Wenn der Konzern auf dem Energiemarkt der Zukunft bestehen wolle, müsse er die fossilen Energien »entschlossen hinter sich lassen«. Agenturen/nd

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