Werbung

Sensibel für Armut

Claudia Krieg über bürgerliche Ängste vor armen Menschen

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.

Armut ist nichts Selbstverschuldetes. Armut ist unter anderem der Effekt einer zynischen Sozialpolitik, die Menschen nach ihrem Nutzen für die Gemeinschaft oder die neoliberale Wirtschaft bewertet und dem Widerhall dieser Nutzbarmachungsideologie in der Gesellschaft. »Wir müssen weg von der Verhaltensprävention hin zur Verhältnisprävention«, sagte eine Teilnehmerin am Werkstattgespräch der Caritas. Unbedingt!

Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Auf diesem liegen eine gesellschaftliche und mediale Stigmatisierung von armen Menschen und eine bürgerliche Angst vor sozialen Konflikten und Themen, die sich aus einer Auseinandersetzung und Konfrontation mit Armut ergeben: einem obdachlosen Menschen ein paar Cent geben und zugleich Angst haben, ihm am nächsten Tag wieder zu begegnen, armen Kindern, die nicht leise und schamhaft sind, sondern laut und frech, aus Angst vor einer Form von Klassengewalt aus dem Weg gehen, das Kind lieber nicht in der Einzugsschule mit den vielen türkischen Kindern anmelden.

Lesen sie auch zum Thema: Arme Kinder haben arme Eltern. Expert*innen aus der Praxis fordern stärker familienorientierte und armutssensible Politik. Von Claudia Krieg

Es gibt für diese Ängste keine einfachen Lösungen. Aber etwas, das man als Armutssensibilität bezeichnen kann: Auch arme Menschen wollen für ihre Kinder das Beste. Manche armen Familien brauchen mehr institutionalisierte Hilfe, manche mehr gemeinschaftlichen Zuspruch, manche weniger Druck. Aber ganz sicher nötig ist ein politische Willen für mehr strukturelle Armutsbekämpfung.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln