Verdrängt, verschwiegen

Julian Barnes aktueller Roman »Die einzige Geschichte« fragt danach, wie wir uns erinnern

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Ein spießbürgerlicher Vorort im London der 50er Jahre. Ein Tennisclub, in den nur aufgenommen wird, wer sich höflich und rücksichtsvoll gibt und bloß nicht zu sehr gewinnen möchte. Es ist die Idee seiner Mutter, dass der 19-jährige Student Paul in den Tennisclub eintritt. Wie hätte sie auch wissen können, dass er dort nicht nur nichtssagende »Hugos und Carolines« trifft, sondern die 30 Jahre ältere Susan kennenlernt, die er bald nicht nur mit dem Auto nach Hause kutschiert, sondern in die sich auch in sie verliebt.

»Ich war ziemlich stolz darauf, dass ich anscheinend in genau der Beziehung gelandet war, die bei meinen Eltern am meisten Anstoß erregen würde«, sagt Paul in Julian Barnes neuem Roman »Die einzige Geschichte«. Hätte Paul sich als schwul geoutet oder seine Teenagerfreundin geschwängert - damit wären die Eltern klargekommen. So aber würde es »nur Peinlichkeit und Demütigung und Schande geben und schiefe Blicke der Nachbarn un...


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