Jetzt muss auch mal gewonnen werden

Vor dem Start in die Playoffs der Basketball-Bundesliga ist Alba Berlins Titelhunger groß. Von Oliver Kern

Es ist schwer, nicht ans große Ziel zu denken. Daran, wofür man sich täglich quält. Die Basketballer von Alba Berlin wollen nach 13 Jahren Pause endlich mal wieder deutscher Meister werden, und an diesem Sonnabend beginnen die Playoffs. Doch bevor es um den Titel geht, müssen im Viertelfinale zunächst einmal die Kontrahenten aus Ulm bezwungen werden. Also werden die gängigen Floskeln bemüht: Keinen Gegner unterschätzen! Immer schön von Spiel zu Spiel denken! Man kennt das.

Und doch lodert in den Berlinern ein Feuer, das in der Endphase der Bundesliga nun richtig zu brennen beginnt. »Wir sind in den letzten zwei Jahren oft Zweiter geworden. Immer zu sehen, wie die anderen die Trophäen in die Höhe wuchten, hat sehr weh getan. Aber das gibt uns die Motivation, es beim nächsten Mal besser zu machen«, sagt Flügelspieler Luke Sikma. Natürlich nicht ohne den obligatorischen Nachsatz: »Dafür müssen wir aber erst mal Ulm schlagen.«

Alba war Dritter der Hauptrunde, Ulm Sechster - die Rollen Favorit und Außenseiter sind also klar verteilt, dennoch warnen alle Berliner vor einem gefährlichen Gegner, der in den letzten Wochen sehr gut gespielt hat.

Klar ist aber auch, dass Berlin fest mit einem Weiterkommen rechnet. Albas Ziel ist seit Jahren schon die Qualifikation für den höchsten europäischen Wettbewerb, die Euroleague. Bis jetzt durfte dort nur der deutsche Meister spielen. Holt sich der FC Bayern dieses Jahr wieder den Titel, wäre aber auch der Vizemeister dabei, denn die Bayern haben mittlerweile eine Wildcard für die Euroleague. Die Chance ist also größer geworden, und sie treibt vor allem die ausländischen Profis von Alba an. Wenn schon nicht die NBA, dann wenigstens Europas höchster Wettbewerb.

Spieler wie Sikma oder Peyton Siva haben ein paar Jahre den zweitklassigen Eurocup in Kauf genommen, um der jungen Berliner Mannschaft bei der Weiterentwicklung zu helfen. Jetzt aber sollte sie mal etwas gewinnen. Zweimal verlor Alba zuletzt das Pokalfinale, dazu die Meisterschaftsfinalserie und das Endspiel im Eurocup. »Schon zwei Finals zu verlieren, hat meinen Titelhunger ins Unermessliche gesteigert. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es den Jungs geht, die das schon viermal durchmachen mussten«, sagt der Isländer Martin Hermannsson, der erst seit Sommer 2018 in Berlin spielt. Auch er weiß jedoch schon, dass es gegen die Bayern schwer wird: »Die haben einen ganz breiten Kader, und alle haben viel Erfahrung in Spielen, in denen es um etwas geht. Wir dagegen sind immer noch sehr jung.«

Ähnlich argumentiert auch Sikma, nur dass er den obligatorischen Nachsatz auch bei den Bayern anbringt. »Wer in München von der Bank aufs Feld kommt, spielt auch auf einem hohen Level. Und die Euroleague machte sie nur noch besser. Aber auch sie stehen noch nicht im Finale.«

Albas will dort auch hin. »Wenn wir die Euroleague erreichen, bleibt das Team zusammen, da bin ich sicher. Wir werden vielleicht nicht das meiste Geld zahlen können, aber ansonsten gibt es in Berlin alles, was sich ein Spieler wünscht«, sagt Sportdirektor Himar Ojeda. Das impliziert, dass das sehr talentierte Berliner Team ohne Teilnahme an der Euroleague im Sommer auseinanderbrechen könnte. »Schaffen wir es nicht, haben wir dennoch viel zu bieten. Schon letztes Jahr blieben viele bei uns, obwohl sie bessere Angebote hatten«, wiegelt Ojeda ab. Ob Sikma, Siva und Hermannsson das auch in diesem Sommer tun würden, ist aber fraglich.

Bei aller Vorfreude auf die Playoffs war vergangene Woche noch einmal Unruhe in die Liga gekommen. Die BBL hatte den zu diesem Zeitpunkt sportlich noch nicht abgestiegenen Eisbären Bremerhaven die Lizenz für die kommende Saison verweigert. »Dies zeigt mir, dass es der BBL nicht um eine Professionalisierung, sondern nur um eine Verkleinerung der Liga geht«, kritisierte Bremerhavens Geschäftsführer Wolfgang Grube den Entscheid.

Albas Manager Marco Baldi, selbst Anhänger der Verkleinerungsidee, dementiert die Verschwörungstheorie: »So zu tun, als würde man die Liga zum geschlossenen Klub machen wollen, ist Quatsch. Die Standards wurden mehrheitlich von den Klubs beschlossen, um die Liga zu verbessern. Und die Mehrheit war groß.« Für eine Verkleinerung gibt es derzeit ohnehin keine Mehrheit.