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Feiern mit Anschnallpflicht

Wie der SC Paderborn nach einer sportlichen Achterbahnfahrt wieder in die Bundesliga kam

  • Von Andreas Morbach
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Himmel über Ostwestfalen war in tiefes Dunkelblau getaucht, als am Flughafen Paderborn/Lippstadt die ersten Jubelfotos geschossen wurden. Knapp fünf Stunden lag der zweite Bundesligaaufstieg des SC Paderborn, vollzogen im Stadion von Dynamo Dresden, zurück. Nun waren die erfolgreichen Fußballer wieder zurück in der Heimat und posierten direkt vor ihrem Flieger mit den Fans.

Nach dem eigenen 1:3 in Dresden mussten die Mannschaft und ihr Trainer Steffen Baumgart noch zwei nervenaufreibende Minuten hinter sich bringen - ein einziger Treffer mehr vom 1. FC Union Berlin hätte Paderborn anstelle der Köpenicker in die Relegation gegen den Drittletzten der ersten Liga, VfB Stuttgart, befördert. Schiedsrichter Sven Jablonski hatte Paderborns Torjäger Philipp Klement in den Katakomben der Dynamo-Arena gar zugeraunt, dass Union in Bochum das 3:2 erzielt habe.

»Ich habe mich mental schon auf die Relegation vorbereitet«, erzählte Klement. »Aber als ich die anderen gesehen habe, wusste ich auch, was los war.« In Bochum war es beim 2:2 zwischen dem VfL und Union geblieben. So stürmte Chefcoach Baumgart, der nach dem Abpfiff in die Kabine geflüchtet war, im Höchsttempo an Klement vorbei zum Gästeblock. »Jetzt zwickt es überall«, meinte der 47-Jährige später auf der Pressekonferenz.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass aufgeregte Fans vor dem Paderborner Rathaus mit einem Transparent demonstrierten: »Lasst den SCP nicht untergehen!« An derselben Stelle wurde am frühen Montagabend nun gefeiert - in Ermangelung eines Rathausbalkons auf einer provisorischen Bühne.

Und schon für den Abend zuvor hatte die örtliche Polizei, ganz dem Klischee des bodenständigen, durch und durch vernünftigen Paderborner Menschenschlags entsprechend, darauf hingewiesen, man werde »im Falle spontaner Autokorsos selbstverständlich auf die Einhaltung der Promillegrenze und die Anschnallpflicht achten.«

Ein belastbarer Gurt ist in der 150.000-Einwohner-Stadt an der Pader allerdings auch unerlässlich: Von ganz oben - im September 2014 reiste Paderborn als Bundesligaspitzenreiter zum FC Bayern München - bis sehr weit unten war in den vergangenen fünf Jahren alles dabei. Der bittere Gang in die Regionalliga blieb dem sportlich schon abgestiegenen Klub im Mai 2017 nur erspart, weil der TSV 1860 München keine Lizenz für die dritte Liga erhielt.

Markus Krösche, 2007 in Paderborns Jahrhundertelf gewählt, hatte am Tag des ersten Bundesligaaufstiegs im Mai 2014 das letzte Spiel seiner aktiven Laufbahn bestritten. Den drei Jahre später glücklich verhinderten Abstieg bezeichnete er als »doppelt blaues Auge mit Kieferbruch«. Nur zwei Monate zuvor, im März 2017, war Krösche von Wilfried Finke, der mittlerweile verstorbene langjährige Präsident des Klubs, als Geschäftsführer Sport zum SC Paderborn zurückgeholt worden. Krösche engagierte nur einen Monat danach den früheren Bundesligastürmer Baumgart als Cheftrainer. Und dank des Glücksfalls mit 1860 München konnte die ostwestfälische Achterbahn mit diesem Führungsduo von der 3. Liga wieder Kurs nach oben nehmen.

Krösche und Baumgart verband die gemeinsame Vorstellung von einem mutigen und dominanten Offensivfußball. Entsprechend bauten sie den Kader radikal um, holten 15 neue Profis und drei Junioren in die Mannschaft. Ein Projekt mit durchschlagendem Erfolg: Durch die dritte Liga rauschten die Paderborner mit 90 Treffern ein Stockwerk weiter nach oben. Ihren direkten Durchmarsch in die 1. Bundesliga befeuerten sie nun mit 76 Toren - und dem vergleichsweise bescheidenen Etat von 6,5 Millionen Euro.

»Unser Weg ist Wahnsinn, ich bin unglaublich stolz«, strahlte Sportchef Krösche in Dresden und betonte: »Dieses extrem junge Team hat Jungs im Kader, die vor zwei Jahren noch in der Regionalliga gespielt haben. Deshalb ist dieser Aufstieg eine noch größere Sensation als der von 2014.« Wobei der 38-Jährige selbst demnächst vermutlich noch ein Stück weiter oben als der SC Paderborn arbeiten wird - als neuer Sportkoordinator von RasenBallsport Leipzig. Mit der Red-Bull-Filiale geht es in die Champions League und um Titel.

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