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Versteckt im Nirgendwo

Nur sehr vage Hoffnungen begleiten den 1. FC Union Berlin in die Relegationsspiele gegen den VfB Stuttgart

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

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Erst zweimal trafen Union und Stuttgart aufeinander: Das letzte Duell verloren die Berliner mit Christopher Trimmel (r.) gegen den VfB im April 2017 mit 1:3.
Erst zweimal trafen Union und Stuttgart aufeinander: Das letzte Duell verloren die Berliner mit Christopher Trimmel (r.) gegen den VfB im April 2017 mit 1:3.

Ein bleibendes Bild dieser Fußballsaison hat Suleiman Abdullahi am letzten Zweitligaspieltag produziert: In der fünften Minute der Nachspielzeit nimmt der nigerianische Außenstürmer des 1. FC Union sieben Meter vor dem Bochumer Tor den Ball unbedrängt volley.

Weil sein Schuss aber von VfL-Keeper Manuel Riemann pariert wird und kurz darauf der Abpfiff ertönt, wurde aus diesem Moment der ganz großen Hoffnung sofort eine negative Erzählung des Ganzen. »Ein Tor fehlt«, hieß es gleich am vergangenen Sonntag und in den darauffolgenden Tagen überall. Durch das 2:2 wurde als Tabellendritter der direkte Aufstieg in die erste Liga verpasst.

Nun könnten die Berliner ihre Geschichte noch zum Guten wenden. An diesem Donnerstag treffen sie im Relegationshinspiel in Stuttgart auf den VfB, vier Tage später empfangen sie den Drittletzten der 1. Bundesliga zum Rückspiel in der Alten Försterei. Die Suche nach positiven Vorzeichen für den 1. FC Union aber führt ins Nirgendwo. Ganz schnell endet sie in der Statistik. Die Überlegenheit der Erstligisten ist erdrückend: In bislang zehn Relegationsduellen konnte sich nur zweimal der Zweitligist durchsetzen.

Der direkte Vergleich spricht auch gegen die Berliner. Erst zweimal trafen die beiden Klubs aufeinander. Aus diesen Duellen in der Saison 2016/2017 gingen die Stuttgarter mit vier Punkten als Sieger hervor. Nach dem 1:1 in der Hinrunde gewann der VfB am 30. Spieltag das Rückspiel mit 3:1 - für die Schwaben damals ein wichtiger Schritt für die Rückkehr in die erste Liga, für Union eine mitentscheidende Niederlage im Kampf um die Aufstiegsplätze. Dem Druck waren die Köpenicker damals nicht gewachsen, mit Platz vier feierten sie aber ihre bis dato beste Zweitligaspielzeit.

Als Dritter schrammte der 1. FC Union mit Trainer Urs Fischer jetzt noch knapper am seit Jahren ausgegebenen Ziel von Präsident Dirk Zingler vorbei, beständig zu den besten 20 Klubs in Deutschland zu gehören. Um das beste Zweitligaergebnis der Vereinsgeschichte zu erreichten, mussten die Berliner Fußballer aber nicht mehr Punkte als vor zwei Jahren holen, es reichten drei weniger. Das verdeutlicht ebenso das gesunkene Niveau der Liga wie der Umstand, dass die mit Union punktgleichen Paderborner mit 57 Zählern so wenig zum Aufstieg benötigten, wie kein Zweitligazweiter seit 15 Jahren.

Kurz nachdem Suleiman Abdullahi an Bochums Torwart gescheitert war, entluden sich die angestauten Emotionen. Tränen, Frust, Verzweiflung und Leere bei den Berlinern: »Es tut richtig weh«, sprach beispielsweise Unions Torwart Rafal Gikiewicz über seine »negativen Gefühle«. Für Trainer Fischer war es also in den vergangenen Tagen eine zusätzliche Aufgabe, positive Stimmung zu erzeugen. Als in Dresden der Abpfiff in Bochum die Runde gemacht hatte, kannte der Paderborner Jubel keine Grenzen. Sie hatten gegen Dynamo mit 1:3 verloren - und feierten trotzdem einen verdienten Aufstieg.

Während selbst der Zweitligameister 1. FC Köln nicht durchgehend überzeugen konnte, hatte der Liganeuling SC Paderborn seine fußballerischen Möglichkeiten sehr oft auf den Platz gebracht. Gegen Union holte er beispielsweise vier Punkte. Das Duell in der Rückrunde, das die Ostwestfalen mit 3:1 in Berlin gewonnen hatten, war eines jener Spiele, nach denen Unions Trainer Fischer von »zu großem Druck« für seine Mannschaft gesprochen hat.

Häufig bemühte Fischer in dieser Saison auch »fehlendes Wettkampfglück«. Wie in Bochum. Und wenn am Ende nur ein Tor zum großen Glück fehlt, könnte auch Pech im Spiel gewesen sein. Das spannende Saisonfinale lässt sich so aber nicht erklären. Denn nur im Falle eines Unentschiedens oder einer Niederlage Paderborns bestand die Chance für Union, noch direkt aufzusteigen.

VfL Bochum will vor allem eines

Dafür brauchten die Berliner aber zwingend einen eigenen Sieg. Warum aber Fischer dann in der Startelf einen Offensivspieler opferte, um den erfahrenen und defensiveren Felix Kroos spielen zu lassen, bleibt ein Rätsel. Für den VfL Bochum ging es um nichts mehr, sie wollten einfach nur spielen. Die Berliner ließen sie spielen, statt einen Gegner, der keinen Druck mehr hat, unter Druck zu setzen. Den ersten Wechsel nahm Fischer erst nach dem 0:2 vor - Kroos war wieder raus.

Man darf gespannt sein, wie der Berliner Trainer eine »Alles oder nichts«-Situation definiert. Diese sagte er zumindest für das Relegationsrückspiel voraus. Im Hinspiel in Stuttgart wird er die Mannschaft wohl wieder mit seiner bevorzugten, vorsichtigen Spielweise auf den Rasen schicken. Wie gesagt, damit steht Fischer für die beste Zweitligasaison des 1. FC Union. Und sein Team stellt die beste Defensive der Liga. Den einzigen Vorteil von Zweitligisten in den Relegationsduellen mit den Drittletzten der ersten Liga - das Selbstbewusstsein einer guten Saison gegen die Zweifel des Misserfolgs - aber haben die Berliner dennoch nicht auf ihrer Seite. In den letzten neun Spielen holte Union nur zehn von 27 möglichen Punkten. Dem VfB Stuttgart hingegen gelang nach dem Trainerwechsel zu Nico Willig mit zwei Siegen in den letzten vier Spielen die Rettung in die Relegation. Sie gewannen 1:0 beziehungsweise 3:0 gegen die Europapokalstarter Mönchengladbach und Wolfsburg.

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