Ficus, Schwalbe, Aboservice

Frank Launer hat seit über zwölf Jahren ein offenes Ohr für Abonnentinnen und Abonnenten

Von Florian Brand

Hinter einem hochgewachsenen Ficus und einigen anderen Zimmerpflanzen versteckt sich Frank Launer - unfreiwillig, wie er betont. Es habe einfach keinen anderen Ort gegeben, für all das viele Grünzeug. Der Kundenbetreuer zieht sich die Schuhe an und kommt gemütlich hinter seinem Schreibtisch im zweiten Stock des nd-Gebäudes am Franz-Mehring-Platz 1 hervor. Er mag es gerne ruhig, sagt er. »Hier lässt es sich ganz gut aushalten, zwischen all der Botanik.« Ohnehin ist er gerne und viel in der Natur, erzählt der 51-Jährige. Zudem ist der gelernte Herrenmaßschneider passionierter Angler. »Früher noch mehr«, sagt er. Mittlerweile fehlt ihm die Zeit. Mit seinem sechs Jahre älteren Bruder war er einst viel angeln gewesen, doch der wohnt jetzt weit entfernt. Dafür war er im vergangenen Sommer mit seinem vier Jahre alten Enkel an der Ostsee angeln. Eine Tagestour haben sie gemacht, es war perfekt. Seine Tochter wohnt kurz vor der polnischen Grenze, knapp 80 Kilometer von zu Hause entfernt - so verbringen Oma und Opa ohnehin sehr viel Zeit mit ihrem Enkel.

Seit über zwölf Jahren hat Frank nun beim nd-Aboservice stets ein offenes Ohr für Leser*innen der Zeitung. Nach seiner Lehre hatte er zunächst in einer Firma für Camping- und Gartenmöbel gearbeitet. Es folgten ein Ausflug in die Gastronomie sowie der Wehrdienst. Nach der Wende orientierte er sich um und heuerte bei einer Medienversandfirma an, die auch das »neue deutschland« betreute. Als das »nd« aber diese Tätigkeiten selbst in die Hand nahm, wechselte er zunächst auf eine halbe, später dann auf eine volle Stelle. Einige der Anrufer*innen, die sich bei ihrer Zeitung melden, kennt Frank auch persönlich, etwa von Events wie der nd-Wanderung oder dem Pressefest. Problemchen wie ein vergessenes Passwort oder zu spät gelieferte Zeitungen bringen ihn nicht aus der Ruhe. Manche langjährigen Abonnent*innen wollen auch einfach nur die Zeitung umbestellen, etwa wenn sie im Sommer in ihre Datsche fahren. »Es erfüllt mich, wenn ich abends nach Hause fahre und zählen kann, wie vielen Menschen ich heute geholfen habe«, sagt er mit einem Leuchten in den Augen.

Nach Feierabend schraubt er dann manchmal noch an seiner Schwalbe, die in der Garage steht. »Top in Schuss«, sagt er stolz. Das Kleinkraftrad der Firma Simson, Baujahr ’85, hat er vor 15 Jahren gebraucht für 400 Euro erstanden. Lange Zeit fuhr er damit jeden Morgen zur Arbeit. Das geht nun leider nicht mehr, da er und seine Frau vor sechs Jahren von Pankow nach Bernau gezogen sind. Seither bastelt er zum Zeitvertreib gelegentlich daran herum. »Die Kiste ist heute mehr wert als damals.« Für manche Modelle müsse man mittlerweile vierstellige Summen auf den Tisch legen. Doch die Schwalbe zu verkaufen, kommt Frank noch lange nicht in den Sinn: »Solange sie fährt und ich noch fahren kann, garantiert nicht.«