Klimabewegung

Fridays for Future agiert weltweit

Schüler protestieren in mindestens 125 Ländern gegen den Klimawandel. Greta Thunberg ruft Erwachsene auf, sich dem Kampf anzuschließen

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat zu einem grundsätzlichen Umdenken zur Rettung des Klimas aufgerufen. »Wir stehen vor einer existenziellen Krise. Wir müssen Veränderungen in allen Ebenen der Gesellschaft sehen«, sagte die 16-Jährige am Freitag in einer Rede nach einem Protestmarsch durch Stockholm. »Wir befinden uns in einer Notsituation, aber wir verhalten uns nicht so.« Die Emissionen stiegen weiter, auch in Schweden. Es würden zum Beispiel weiter Flughäfen gebaut und erweitert.

An einem weltweiten Klimaprotesttag wurde am Freitag für mehr Klimaschutz demonstriert. Weltweit waren nach Angaben des Klimanetzwerks Fridays for Future Proteste an mehr als 1600 Orten in mindestens 125 Ländern geplant, darunter mindestens 218 in Deutschland.

Dass Hunderttausende Kinder und Jugendliche in aller Welt für das Klima demonstrierten, sei unglaublich, sagte Thunberg. Sie appellierte an Erwachsene, sich dem Kampf für das Klima anzuschließen. »Wir wissen, dass ihr eure Kinder über alles liebt. Aber im Moment wirkt das nicht so«, sagte sie. »Gebt uns eine Zukunft!« Die junge Generation brauche die Hilfe der Älteren mehr als jemals zuvor.

Zehntausende junge Menschen haben sich auch in Deutschland erneut an den Streiks der Umweltbewegung beteiligt. In Hamburg zählte die Polizei in der Spitze rund 17 000 Teilnehmer, in München waren es einem ersten Zwischenstand der Beamten zufolge bis zu 3000. In Köln sprach Fridays for Future von 12 000 Teilnehmern, die Polizei gab keine Schätzung heraus. In Berlin nannten die Beamten eine Zahl von mehreren tausend, angemeldet waren 10 000 Demonstranten.

Zur Europawahl will Fridays for Future das Thema noch einmal in den Fokus rücken. Viele Jugendliche dürfen noch nicht wählen. Für die Bundesrepublik verlangt die Bewegung klare Regeln, um eine Reduktion von Treibhausgasen zu erreichen. So fordern Initiatoren von Fridays for Future in Deutschland den Kohleausstieg bereits 2030 und 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis zum Jahr 2034.

In Berlin zogen die jungen Menschen vom Brandenburger Tor durch das Regierungsviertel und forderten, die Europawahl zu Klimawahl zu machen. »Wir spüren alle, was in Europa auf dem Spiel steht«, sagte eine Rednerin. »Die Politiker haben uns seit 30 Jahren belogen, obwohl sie vom Klimawandel wussten. Wir müssen runter vom Sofa. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um sich zu bekennen.«

Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing hatte sich am Donnerstag mit Dresdner Schülern getroffen und mit ihnen über die Streiks und Erwartungen an die Kirche beim Thema Klimaschutz gesprochen. Rentzing unterstützt die Proteste, rief aber zugleich zu etwas mehr Geduld auf. »Wir könnten es schaffen«, sagte er mit Blick auf notwendige Umweltziele. Er sehe dafür »genug Anlass«. Zugleich appellierte er an jeden Einzelnen, im persönlichen Leben sparsam mit Ressourcen umzugehen, zum Beispiel den Handykonsum einzuschränken.

174 Wissenschaftler riefen in einem Gastbeitrag in der dänischen Zeitung »Politiken« zum gewaltfreien zivilen Ungehorsam auf, um auf den Kampf fürs Klima aufmerksam zu machen. Die zunehmende Klimakrise sei eine existenzielle Bedrohung für die Menschen in Dänemark und dem Rest der Welt, schrieben sie.

Derweil suchte Norwegens konservative Ministerpräsidentin Erna Solberg den Kontakt mit den Protestierenden. »Norwegen hat eine besondere Verantwortung, zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes beizutragen, weil wir ein reiches und gut entwickeltes Land sind, aber auch, weil wir ein Großexporteur von Öl sind«, sagte sie am Freitag in einer Rede bei einem Klimaprotest vor dem norwegischen Parlament in Oslo. Als sie behauptete, dass ihre Regierung viel fürs Klima tue, gab es Buhrufe. In Norwegen waren Proteste in mehr als 30 Städten geplant. Agenturen/nd