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Erfolgszug erreicht Problemzone

Regionalexpress RE1 seit 25 Jahren Rückgrat des Schienennahverkehrs in Berlin-Brandenburg

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Zwischenhalt auf dem Weg Richtung Frankfurt (Oder): Doppelstockzug der Linie RE1 im Berliner Hauptbahnhof.
Zwischenhalt auf dem Weg Richtung Frankfurt (Oder): Doppelstockzug der Linie RE1 im Berliner Hauptbahnhof.

Es gibt Superlative, die hallen länger nach. Einen solchen vergab Ende vergangener Woche die Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Susanne Henckel, am Gleis 3 des Potsdamer Hauptbahnhofs. »Der Regionalexpress RE1 war, ist und bleibt unsere Premiumlinie in Berlin-Brandenburg«, erklärte sie. Der RE1 wird in diesen Tagen 25 Jahre alt und hat sich zur wichtigsten Verbindung im schienengebundenen Personennahverkehr der Region entwickelt. Derzeit betreibt die Bahntochter DB Regio Nordost den RE 1 im Auftrag der Länder Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

In der Hauptverkehrszeit durcheilen die glänzend roten Doppelstockzüge die Hauptstadtregion in der Hauptverkehrszeit im Halbstundentakt. »Mit einer Pünktlichkeit von 95,3 Prozent und einer Ausfallquote von 0,3 Prozent in den ersten drei Monaten dieses Jahres«, wie die VBB-Chefin versicherte. Die Züge der Linie seien zuverlässig und stabil unterwegs. »Immer mehr Fahrgäste wissen das zu schätzen, weshalb wir auch das Angebot kontinuierlich ausweiten.« Laut Henckel sind im Schnitt 60 000 Menschen pro Tag mit dem RE1 unterwegs, in etwa so viele, wie die Stadt Frankfurt (Oder) Einwohner habe. Gestartet sei man 1994 mit rund 4000. Damit ist diese Regionalexpresslinie eine Erfolgsstory. Aber Premium?

Der aus Magdeburg kommende RE1, der am Freitag pünktlich 11.25 Uhr Potsdam verlässt, müsste bis Eisenhüttenstadt fahren, wird aber laut Anzeige in »Erkner« enden. In den Waggons ist es kuschelig warm, die Zugtechnik ist klimatechnisch am Limit. Auch Kommunikation ist Glückssache, die elektronische Stationsanzeige in den Waggons hat sich bei »Eisenhüttenstadt« aufgehängt, Borddurchsagen dringen nicht bis zu den Reisenden durch. Im Ernst fragt da keiner nach W-LAN. Es ist rappelvoll, auf Treppen und Koffern sitzend fahren Pendler und Studis ins Wochenende. 600 Sitzplätze hat so ein Zug.

Am 27. Mai 1994 hatte Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) das Signal für die Jungfernfahrt des ersten Zuges auf der Linie freigegeben. Seither verbindet der RE1 Magdeburg, Brandenburg/Havel, Potsdam, Berlin, Fürstenwalde, Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt und Cottbus - auf einer Gesamtlänge von 316 Kilometern.

»In den frühen 1990er Jahren galt es, schnell ein zukunftsfähiges Konzept auf die Schiene zu stellen, um die Regionen mit Berlin zu vernetzen und eine Abwanderung zum Pkw zu vermeiden«, erinnerte Joachim Trettin, Vorsitzender der DB-Region Nordost. »Gemeinsam mit den Ländern stellten wir damals unter dem Konzepttitel ›Zielnetz 2000‹ die Weichen für den heute so erfolgreichen Nahverkehr im Nordosten. Aus dem Konzept wurde, als erste Regional-Express-Linie Deutschlands, der RE1 geboren, der sich rasch positiv entwickelte und heute längst den Kinderschuhen entwachsen ist.«

Altgedienten Bahnern wie Uwe Stage und Sven Laube tut dieses Urteil gut. Beide waren von Angang an als Zugbegleiter auf dem RE1 dabei. Die beiden Frankfurter sind nur wegen des Jubiläums nach Potsdam gekommen. Stage wird 65 und ist Rentner, jobbt auch nach 47 Dienstjahren noch für die Bahn. Laube (57) ist immer noch auf der RE-Linie 1 unterwegs, er hat extra Urlaub genommen. Jeden technischen Fortschritt, aber auch jede Panne haben sie miterlebt. Schon aus Prinzip lassen beide Bahner nichts auf den RE1 kommen. Doch Sven Laube schaut mit gemischten Gefühlen auf Dezember 2022. Dann muss die Deutsche Bahn den RE1 an die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG) abgeben. Das hatte der VBB im Januar als Ergebnis einer 2017 gestarteten Ausschreibung verkündet. »Eigentlich möchte ich schon bei der Deutschen Bahn bleiben«, sagt er.

Brandenburgs Verkehrsstaatssekretärin Ines Jesse richtete den Blick in die Zukunft. Noch 2019 tritt die Mobilitätsstrategie 2030 des Landes in Kraft. »Wir wollten die Mobilität in der Region stärken und sichern«, sagte sie. Der RE 1 habe sich bewährt und solle weiter ausgebaut werden. »Ab 2022 werden die Züge dreimal in der Stunde unterwegs sein. Geplant ist auch, die Sitzplatzkapazität zu erhöhen.« Dazu werde man längere Züge einsetzten und, wo es notwendig sei, die Bahnsteige verlängern. »Dies gehört zu den Verbesserungen, mit denen wir gemeinsam mit dem Land Berlin die Qualität des Bahnverkehrs in der Hauptstadtregion steigern«, so Jesse.

Für Anita Tack, verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, steht fest, dass die Zukunft der Mobilität auf der Schiene liegt. Der RE1 habe sich zu einem zuverlässigen und schnellen Angebot gerade für Pendler entwickelt, doch die Fahrgastzahlen seien stetig gestiegen. »Der RE1 braucht heute mehr Sitzplätze, einen 20-Minuten-Takt und W-LAN für alle«, mahnte sie. All das, was laut Landes-Nahverkehrsplan ab 2022 eingeführt werden soll, sei angesichts des wachsenden Pendlerstroms aber schon jetzt nötig. »Verkehrswende und Klimaschutz erfordern größere Anstrengungen vor allem vom Bund.«

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