Fußballregeln

Das Ende der Absicht

Auf diese Regeländerungen müssen sich Fußballer aller Klassen bald umstellen.

Von Oliver Kern

Bei der am Freitag beginnenden WM der Frauen werden sie schon gelten: die neuen Fußballregeln. Und wenn die Fans wieder über die Schiedsrichter schimpfen - das haben die Unparteiischen ohnehin selten verdient - können die künftig zurückbrüllen: »Lies erst mal die Regeln!« Denn einiges, woran sich Fußballer von Kreisklasse bis Champions League gewöhnt haben, wird bald ganz anders sein.

Beginnen wir bei A wie Abstoß: Der Ball muss künftig den eigenen Strafraum nicht mehr verlassen, bevor er von einem Mitspieler berührt wird. Für die Gegner gilt aber weiter: »Ich muss draußen bleiben.«

Wer sich darüber aufregte, dass bei einer Auswechslung immer der Spieler runter musste, der am weitesten vom Trainer entfernt war und dann zwei Minuten lang übers Feld trabte, der sei erlöst. Fußballer müssen das Spielfeld schon bald an der nächstmöglichen Begrenzungslinie verlassen.

Beim Elfmeter müssen sich vor allem Torhüter umstellen. Denn bald reicht es, nur noch mit einem Fuß die Torlinie zu berühren, wenn der Gegner schießt. Dafür darf er das Gebälk vorher nicht mehr zum Wackeln bringen.

Oft wurde zuletzt übers Handspiel gerätselt. Wann ist es Absicht? Wie sehen unnatürliche Körperhaltungen aus? Leider werden nicht alle Fragen beantwortet. Aber ganz klar soll sein: Jedes Tor wird aberkannt, dem ein Handspiel vorausgeht - egal ob absichtlich oder nicht. Diese Absicht ist auch nicht mehr einziges Kriterium für einen Pfiff, die unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche reicht auch.

Kommen wir zu den Karten. Die bleiben gelb und rot, werden nun aber auch meckernden Trainern gezeigt. Bei Rot heißt es wie bisher: Ab auf die Tribüne! Eine Mannschaft darf übrigens einen Freistoß auch dann schnell ausführen, wenn der Schiedsrichter dem Gegenspieler eigentlich noch eine Karte zeigen wollte. Die gibt es dann etwas später.

Beim Freistoß wird bald weniger gerangelt. Denn besteht eine Mauer aus mindestens drei Verteidigern, dürfen sich keine Mitspieler des Schützen mehr dazwischen zwängen.

Noch vor dem ersten Pfiff wird mittels Münzwurf über die Seitenwahl entschieden. Wer das Glücksspiel gewinnt, kann künftig aber auch entscheiden, ob er lieber den Anstoß haben will. Dann darf sich der gegnerische Kapitän eine Seite aussuchen.

Die Rückpassregel hatten eigentlich alle verstanden, nun wird sie doch wieder kompliziert. Man stelle sich eine Rückgabe vor, die der Torhüter mit dem Fuß klärt. Der Schuss aber gerät zum verkorksten Querschläger. Glück im Unglück für den Torwart, denn jetzt darf er den Ball mit den Händen aufnehmen.

Im Mittelpunkt stehen die Schiedsrichter. Da ist es nur fair, wenn wir sie nicht mehr wie Luft behandeln. Soll heißen: Berühren sie den Ball, wird nicht mehr weitergespielt. Kürzlich schoss ein Unparteiischer in Holland sogar unabsichtlich ein Tor und musste es zählen lassen. Die Peinlichkeit bleibt ihm nun erspart, denn in der Situation ist jetzt ein Schiedsrichterball angesagt. Auch der kommt aber nicht um eine Änderung herum: Ein Duell um den fallen gelassenen Ball wird es nicht mehr geben, denn das Spielgerät wird jetzt dem Team zugesprochen, das zuletzt in Ballbesitz war.