Vergessene Zwangsarbeiter

Auf dem RAW-Gelände erinnert noch nichts an dieses Kapitel.

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

An diesen Tag im Herbst 1993 wird sich Jörg Schmalfuß sein Leben lang erinnern: »Dass sich zwei Menschen fast um ein paar alte Aktenberge prügeln, habe ich vorher noch nie erlebt«, sagt er. Schmalfuß leitet das Historische Archiv bei der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin. Damals, im Herbst 1993, wurde der Archivar gemeinsam mit einem Kollegen zur Abholung von historischen Aktenbeständen in das Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) an der Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain gerufen. »Ein Mitarbeiter des Werks hatte bei uns im Technikmuseum angerufen«, erinnert sich Schmalfuß. »Er wusste wohl um die geschichtlich bedeutenden Dokumente, die in dem werkseigenen Archiv schlummerten, und wollte, dass die Akten nicht in den Wirren der Nachwendezeit verschwinden.«

Der Vorgesetzte des Bahnwerksmitarbeiters sah dies allerdings anders. Er wollte die Herausgabe der Akten an die Archivare vom Technikmuseum um jeden Preis verhindern. »...


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