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Kaltes, klares Leitungswasser

Öffentlich zugängliche Trinkbrunnen sollen auch zum Klimaschutz beitragen

  • Von Yannic Walther
  • Lesedauer: 3 Min.

Vom kalten, klaren Wasser hat 1983 schon die Berliner Band »Malaria!« gesungen. Im gleichen Jahrzehnt begannen auch die Berliner Wasserbetriebe mit der Aufstellung der ersten Trinkbrunnen. Damals noch, um in Stadtteilen mit niedrigem Wasserverbrauch das Netz zu spülen. Dieser Tage müssen die Trinkbrunnen allerdings nicht mehr das Rohrnetz reinigen. Stattdessen sollen sie während der Sommermonate eine Alternative zu dem kalten, klaren Durstlöscher aus dem Supermarkt sein. Inzwischen 96 Trinkwasserbrunnen, verteilt über das Stadtgebiet, machen die kostenlose Erfrischung möglich. Genutzt wird das Angebot beispielsweise von Annika K., die ihren vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Zu Besuch aus Österreich, macht sie beim Trinkwasserspender am Comeniusplatz in Friedrichshain Halt. »So viel Wasser kann man gar nicht mit sich tragen, wie man bei solchen Temperaturen trinken möchte«, sagt Annika. Auch für Hundehalter seien die Trinkbrunnen ein willkommenes Angebot, um den tierischen Begleitern eine Erfrischung zu ermöglichen.

Andere Passanten halten öffentliche Trinkbrunnen für eine gute Idee, nutzen würden sie diese selbst allerdings nicht. Die Gründe sind vielfältig: Gewohnheit, Unsicherheit über eventuelle Krankheitserreger oder schlicht Unauffälligkeit der Trinkwasserspender im Stadtgebiet. Zumindest die letztgenannten zwei Gründe lassen sich laut den Wasserbetrieben aus der Welt schaffen. Die Trinkbrunnen würden alle zwei Wochen von innen und außen gereinigt sowie desinfiziert. Außerdem sei das Berliner Trinkwasser besonders reich an Mineralien, was zwar schlecht für den Wasserkocher, aber gut für die Gesundheit sei.

Auch selten sollen die Brunnen nicht bleiben. Denn bis Oktober soll die Zahl der Trinkwasserspender laut den Berliner Wasserbetrieben von 96 auf 150 anwachsen. Bis zu 15 000 Euro kostet ein Trinkbrunnen inklusive Installation. Bezahlt werden die Trinkwasserspender allerdings nicht von den Kunden der Berliner Wasserbetriebe. Denn der Berliner Senat hat im Doppelhaushalt 2018/19 insgesamt eine Million Euro für die Errichtung von Trinkbrunnen zur Verfügung gestellt. Laut der Senatsverwaltung soll dadurch auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Würde jeder Berliner Leitungs- statt Flaschenwasser trinken, könnten nach einer Statistik der Berliner Wasserbetriebe jährlich 100 000 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart werden. Denn die Herstellung und das Recycling der Wasserflaschen sowie ihr Transport zu Läden und Haushalten würden dadurch entfallen. Die Berliner von den Vorzügen des Leitungswassers zu überzeugen, ist auch das Ziel der Initiative »a tip: tap« (deutsch: »Ein Tipp: Leitungswasser«). Am Sonntag startete ihr Projekt Wasserwende, mit dem sie in zwölf Städten deutschlandweit, darunter auch in Berlin-Moabit, an Kitas und Schulen für den Umstieg auf Leitungswasser werben. Als sie sich 2010 gründeten, habe es laut Julian Fischer von der Initiative gerade einmal 16 öffentliche Trinkbrunnen in Berlin gegeben. Zwar wären in einer Stadt von der Größe Berlins auch 1000 Trinkbrunnen angebracht, sagt Fischer, doch für die Entwicklung der letzten Jahre müsse er der Stadt dennoch ein »großes Kompliment« machen. Neben mehr Trinkbrunnen würde er sich lediglich wünschen, dass diese auch für Menschen mit Behinderung und Kinder besser zugänglich wären. Außerdem sollten die Trinkbrunnen ganzjährig Wasser bereitstellen und nicht wie bisher nur von Mai bis Oktober.

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