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Kaserne mit Namen von Kriegsverbrecher

Militärstandort Eutin soll nicht länger nach Oberst Karl von Rettberg benannt sein

  • Von Dieter Hanisch
  • Lesedauer: 3 Min.

Der seit Jahrzehnten nicht hinterfragte Name einer Kaserne im ostholsteinischen Eutin sorgt für Diskussionsstoff. Die »Initiative gegen falsche Glorie« um ihren Sprecher Jakob Knab fordert die Umbenennung der Rettberg-Kaserne, da der Namensgeber Oberst Karl von Rettberg (1865 - 1944) mit Kriegsverbrechen im August 1914 in Belgien in Verbindung gebracht wird.

Das jedenfalls geht aus einem Gutachten hervor, das im Dezember 2018 vom Zentrum für Militärgeschichte in Potsdam im Auftrag der Bundeswehr zu Papier gebracht wurde, offenbar zusammengestellt als Folge eines Schreibens an den Petitionsausschuss des Bundestages aus dem Sommer des Vorjahres. Mit dem erneuerten Traditionspflegeerlass des Bundesverteidigungsministeriums aus dem Frühjahr 2018 werden nicht nur historisch belastete Personen aus der NS-Zeit auf den Prüfstand gestellt, sondern auch verbrecherische Handlungen aus der Zeit davor. Solch ein Fall liegt nun nach Ansicht von Knab in Eutin vor, und das ihm zugespielte Gutachten mit dem Vertraulichkeitsvermerk »Nur für den Dienstgebrauch« lässt es nach Auffassung des pensionierten Studiendirektors aus Kaufbeuren auch nicht an Deutlichkeit vermissen.

Darin heißt es über den damaligen Offizier und Befehlshaber des II. Bataillons des aus Schleswig-Holstein kommenden Infanterieregiments 163 der Heeres, dieser habe am 25./26. August 1914 eine Aktion zu verantworten, bei der in den »belgischen Ortschaften Herent und Leuven Häuser abgebrannt und Zivilisten erschossen« wurden. Weiter wird ausgeführt, dass dabei »in mehrfacher Weise gegen Bestimmungen des damals geltenden Kriegsvölkerrechts verstoßen« wurde. Seinerzeit hatte nach Aufzeichnungen aus Kriegstagebüchern und laut Aussagen von zwei Kompaniechefs von Rettberg den Soldaten seines Bataillons aufgetragen, Häuser in Brand zu setzen und »alles, was in den Weg komme, niederzumachen«. Leuven war im August 1914 von deutschen Truppen eingenommen worden. Im Zentrum der Stadt wurden fast 1100 Häuser niedergebrannt. Über 240 Zivilisten kamen dabei ums Leben oder wurden erschossen. 1500 Einwohner wurden bis 1915 in deutsche Internierungslager verbracht.

Die seit 1961 von der Bundeswehr genutzte Kaserne in Eutin mit derzeit rund 600 dort stationierten Soldaten, die regelmäßig zu Auslandseinsätzen herangezogen werden, blickt auf eine lange Geschichte zurück, wurde 1915 als Infanteriestandort eingeweiht und 1938 nach von Rettberg benannt - nach Auffassung der »Initiative gegen falsche Glorie« eine propagandistische Maßnahme zur ideologischen Aufrüstung der Wehrmacht. Die Initiative konfrontierte den für die Namensbelange zuständigen Standortältesten des heute dort stationierten Aufklärungsbataillons 6, Oberstleutnant Tobias Aust, mit dem Gutachten aus Potsdam. Dabei musste Knab zur Überraschung feststellen, dass Aust auch Monate nach der Erstellung der Expertise noch gar keine Kenntnis darüber hatte. Der Standortälteste sagte zumindest eine intensive Prüfung des Vorgangs zu. Seit 1995 hat die Initiative um Knab die Umbenennung oder Namensentfernung bei 26 Bundeswehr-Liegenschaften erreicht, zugesagt sind bereits weitere Namensänderungen in Rotenburg/Wümme, Munster und Garching.

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