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Zu Besuch beim Immobilien-Investor

Bunte Protestaktion sorgt im Firmensitz von Gijora Padovicz kurzzeitig für Chaos

  • Von Vanessa Fischer
  • Lesedauer: 3 Min.

»570.140,31 Euro sind genug«, skandiert eine junge Aktivistin mit neon-pinker Perücke und Herzchen-Sonnenbrille in das Megafon. »Die Liebig34 gehört den Bewohner*innen«, fährt sie fort, während andere Konfetti im Foyer verteilen, Knallbonbons zünden und Transparente an die Wände hängen. Selbst ein Twister-Spiel wird auf dem Marmorboden ausgebreitet. Unter ohrenbetäubendem Lärm fliegen Tausende Schnipsel mit Aufschriften wie »Liebig bleibt«, »Weltweite Solidarität« und »Feminismus« durch die Luft.

Rund 20 verkleidete Aktivist*innen bevölkern das Foyer am Dienstagnachmittag beim Go-in am Firmensitz der Unternehmensgruppe Padovicz (UGP) am Kurfürstendamm: mit bunten Perücken, als Krokodil, Papagei oder mit Gijora-Padovicz-Papiermasken. Dem Investor sollen allein in Berlin-Friedrichshain mehr als 200 Häuser gehören, aus denen Mietende systematisch vertrieben werden. Das sei auch bei dem selbstverwalteten, queer-feministischen Hausprojekt Liebig34 so, dessen Pachtvertrag Ende 2018 ausgelaufen und dessen Zukunft weiterhin ungewiss ist, erklärt eine Bewohnerin. »Padovicz hat das Haus 2008 für einen Spottpreis gekauft.

Die Summe des Kaufpreises haben wir ihm in den letzten zehn Jahren bereits überwiesen«, erklärt sie. »Deshalb könnte er uns das Haus auch einfach übergeben.« Wie unwahrscheinlich dieses Szenario ist, das ist den Aktivist*innen durchaus bewusst. »Aber wir wollen wenigstens zeigen, dass Menschen dahinterstecken und nicht nur eine abstrakte Ebene von Immobilien und Spekulation«, so die Bewohnerin. Da Padovicz selbst bisher zu keinerlei Gesprächen bereit gewesen sei, wolle man nun mit dieser bunten Protestaktion »bei den Akteuren von Verdrängung die Betroffenen von Verdrängung sichtbar machen«.

Nach einer Viertelstunde betritt die Polizei das Gebäude, es kommt zu drei vorläufigen Festnahmen. Auch Aktivist*innen der Initiative »Padowatch« waren zum Go-in am Kurfürstendamm gekommen. Seit einem Jahr veröffentlichen sie auf dem gleichnamigen Blog Informationen über das Padovicz-Firmengeflecht. Zu der Initiative gehören Mietende, Wissenschaftler*innen, wie der emeritierte Politologe Peter Grottian, und Whistleblower*innen, die in Padovicz-Häusern tätig waren.

Anfang Mai tauchte die Initiative im Berliner Verfassungschutzbericht auf. Einschüchtern lassen wolle man sich davon jedoch nicht, heißt es dazu im Blog. In den nächsten Wochen wolle man vor allem die Vernetzung unter den Mietenden vorantreiben.

»Für den Erfolg politischer Aktionen ist Bündnisbreite ganz entscheidend«, meint Grottian. »Geht es um Padovicz, ist Angst aber immer noch der dominierende Faktor.« Um dieser etwas entgegenzusetzen, hat die Initiative zu einer Vollversammlung aller Mietenden von Padovicz-Häusern eingeladen. Am 12. Juni um 17.30 Uhr im Stadtteilladen Warschauer Straße 23 oder um 20 Uhr im Gasthaus Max & Moritz am Oranienplatz.

Daneben ist am 15. Juni auch eine Gala für Gijora Padovicz geplant. »Da wollen wir ihn für seine Verdienste ehren und ihm die Ehrenbürgerwürde verleihen«, erklärt Grottian amüsiert. Treffpunkt wird wieder vor dem Padovicz-Büro am Kurfürstendamm sein. In der Liebig34 bereitet man sich indes auf das Dorffest mit Workshops, Kino und Flohmarkt vor, das an diesem Wochenende stattfindet.

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