Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Fußball-WM: So sexistisch und rassistisch ist die Berichterstattung

Ein Blick über die Worst Offs der Sportberichterstattung zur Fußball WM in Frankreich

  • Von Lou Zucker
  • Lesedauer: 4 Min.

Liebe deutsche Sportredaktionen. Ist ja toll, dass ihr dieses Jahr die Fußball-WM der Frauen einigermaßen groß machen wollt. Zumindest ein bisschen größer als sonst. Aber. Sobald Frauen auf dem Rasen stehen, haltet ihr es offenbar nicht aus, einfach nur das zu tun, wofür ihr bezahlt werdet: nämlich über Fußball zu berichten. Ohne Rassismus und Sexismus.

Hier sind die Worst-Ofs:

Hauptsache, hot

Da schießt Giulia Gwinn mit ihren gerade mal 19 Jahren das Siegtor der deutschen Mannschaft im WM-Auftakt – und den Sportredakteuren der Münchner Boulevard-Zeitung tz fällt bei ihrer Sonntagsschicht nichts besseres ein, als sie erstmal auf Instagram zu stalken. Aus ihren Lieblingspics haben sie dann so etwas wie einen Artikel gemacht. Das nennt sich professioneller Sportjournalismus.

Der Titel lautete ursprünglich: »Giulia Gwinn: So heiß zeigt sich das DFB-Hottie bei Instagram«. Den haben sie, wahrscheinlich aufgrund der vielen berechtigten Kritik, inzwischen geändert in »Beeindruckende Fotos der Siegtorschützing bei Instagram«. Macht es das besser? Macht einfach euren Job und berichtet über ihren beeindruckenden Fernschuss, Leute.

Ok, etwas anderes hatten wir von der BILD auch nicht erwartet. Trotzdem: Lasst es einfach. Weibliche Sportlerinnen konstant auf ihr Äußeres zu reduzieren ist ungefähr so originell, wie einen Artikel mit »Es ist so weit« zu beginnen oder mit »…bleibt abzuwarten« zu beenden. Auch wenn »unsere Hübscheste« ein Zitat war, das die BILD der Team-Kapitänin Alexandra Popp aus der Nase gezogen hat – kein Grund, das zur Überschrift zur machen. Gwinn selbst findet zum Glück einen guten Umgang damit: »Die Mitspielerinnen machen sich da einen schönen Spaß draus. Ich werde ein bisschen damit aufgezogen. Aber es ist ja alles lieb gemeint. Ich und die anderen finden es einfach nur lustig.«, erzält sie der Boulevardzeitung später im Interview.

Außerdem, BILD: Giulia Gwinn könnte vielleicht bald den Hauptgewinn in diesem Turnier in der Hand halten – sie ist aber ganz sicher keiner.

Rassistisches Wortspiel-Tourette

Wow, Claus Lufen. Hast du dich vor deinem Live-Kommentar hingesetzt und dir alle »Wortwitze« aufgeschrieben, die dir über die Namen der chinsischen Spielerinnen und Chinesinnen im Allgemeinen eingefallen sind?

»Chinesische Mauer 2.0«

»Bei Peng hat’s Pang gemacht«

»Da werden die Chinesinnen gelb vor Neid«

Wenn du als Kommentator Witze machen willst, dann mach halt gute, keine rassistischen.

Und: »Irgendeine Wang dazwischen« kommt auch nicht gerade professionell. Das Mindeste, was du als Sportkommentator können solltest, ist die Spielerinnen auseinander zu halten, selbst wenn mal zwei den gleichen Nachnamen haben. Ja, auch dann, wenn sie Chinesinnen sind.

Die Livetickerer des Fußball-Magazins 11 Freunde leiden wohl ebenfalls an »Wortwitz«-Tourette.

»Wenn dir jemand auf die Wang haut, halt ihm die andere hin«

»Drei Chinesinnen mit dem Konterpass«

So originell. In dem fröhlichen Kinderlied, auf das sie da anspielen, geht es übrigens um racial profiling.

Bloß nicht vergessen: Es ist (nur) FRAUEN-Fußball!

Natürlich handelt es sich hier nicht einfach um eine richtige, echte, ganz normale Weltmeisterschaft. Nein. Es ist nur eine Frauen-WM. Damit da bloß keine Verwechselungen aufkommen, blendet die ARD das freundlichweise noch mal dick in der Ecke ein.

Das kritisieren auch 11 Freunde in ihrem Live-Ticker. Und fühlen sich anscheinend gleich selbst inspiriert:

Supernova: Fußball-WM: So sexistisch und rassistisch ist die Berichterstattung
Supernova: Fußball-WM: So sexistisch und rassistisch ist die Berichterstattung

Auch der ARD-Kommentator gönnt sich noch mal:

»Das weiß man ja beim Frauenfußball, Torhüterinnen sind immer ein bisschen ein Risikofaktor«.

Wie käme es rüber, wenn ein Sportkommentator sagen würde: »Das weiß man ja beim Männerfußball, die Torhüter sind immer ein Risikofaktor«? Genau, als ob er keine Ahnung hätte.

Fazit: »Das hat mit Fuß! Das hat mit Ball! Das hat mit Fußball nichts zu tuuuuun!«

Dieser Text erschien zuerst bei Supanova, dem leftstylemag.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln