Der Staatstragende

Jürgen Habermas hat die Kritische Theorie entkernend beerbt - zum 90. Geburtstag des Philosophen und politischen Intellektuellen

  • Von Gerhard Schweppenhäuser
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Wenn sich Jürgen Habermas in den letzten Jahren nicht mit Religions- und Rechtsphilosophie beschäftigt, setzt er sich mit dem Verfall des Europa-Ideals auseinander. In journalistischen Arbeiten behandelt er Fragen des Staatsrechts, kritisiert elitäre Züge der EU, weist auf Legitimationsdefizite hin und fordert Reformen in Brüssel und Straßburg. Er verteidigt sozialdemokratische Positionen in der Ära ihres Ausverkaufs, er streitet für die Rückgewinnung staatlicher Handlungsspielräume gegen deregulierte Märkte. Ginge es nach ihm, führte eine »transnationale Volkssouveränität« zu einer »postnationalen Konstellation« Europas.

Politischer Stichwortgeber, Gewissen der deutschen Nation: Das ist die Rolle, in welcher der Philosoph, der am Dienstag 90 Jahre alt wird, spätestens seit dem »Historikerstreit« bekannt ist. Und die Bilanz seiner Wortergreifungen fällt so zwiespältig aus wie die der jüngeren Zeitgeschichte. 1986 griff Habermas di...


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