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Medaillen müssen her

Die deutschen Fechter stehen bei der Heim-EM unter Druck, nachdem sie bei Olympia und WM kein Edelmetall holten

  • Von Marco Krummel
  • Lesedauer: 3 Min.

Wenn die deutschen Fechter ab Montag auf die Planche treten, geht es nicht nur um Titel und Medaillen, sondern auch um die zukünftige Entwicklung des deutschen Fechtens. »Wir wollen und müssen Top-Ergebnisse abliefern«, sagt Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB), und gibt damit die klare Marschroute für die Heim-Europameisterschaften in Düsseldorf vor. Bei der EM steht für die krisengeschüttelten deutschen Fechter auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 auf dem Spiel.

»Top-Ergebnisse sind dabei nicht nur Platz vier oder fünf, sondern auch mal Medaillen«, sagt Ressel, der sich bei seiner Vorgabe an den jeweils drei Medaillen der vergangenen beiden Europameisterschaften orientiert. Nach dem medaillenlosen Debakel in Rio 2016 blieb dem DFeB auch bei der WM 2018 im chinesischen Wuxi erstmals nach 47 Jahren Edelmetall verwehrt. Zur Sicherung der finanziellen Förderung müssen die deutschen Fechter nun durch Top-Platzierungen wieder mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Neben EM-Medaillen wäre auch ein möglichst großes Olympia-Team hierfür von Bedeutung. Aufgrund des Qualifikationsmodus’ liegt der Fokus auf der Mannschaftswertung. Jedes qualifizierte Team darf bei Olympia drei Einzelstarter stellen, erst danach wird das Feld über die Einzelweltrangliste mit maximal einem Starter pro Nation aufgefüllt. Die Säbelmänner und die Florettfrauen erfüllen mit einem Platz unter den ersten Acht der Weltrangliste derzeit die Kriterien - damit wären zwei Teams mehr qualifiziert als bei der Nullrunde in Rio. Säbeleuropameister Max Hartung hat nicht nur mit dem Team eine glänzende Ausgangsposition, sondern brillierte in dieser Saison auch im Einzel mit zwei Weltcupsiegen und sechs Podestplätzen. Einen möglichen Titelhattrick im Einzel sieht der 29-Jährige als »schönen Gedanken«, legt aber sein Augenmerk dennoch auf den Teamwettkampf: »Wenn ich wählen könnte, würde ich auf jeden Fall den Mannschaftstitel nehmen, weil wir uns dann wahrscheinlich als Team für die Spiele qualifizieren.«

Neben den Säbelherren um Hartung ist Floretttalent Leonie Ebert die Medaillenanwärterin im 24-köpfigen deutschen Aufgebot. Die 19 Jahre alte Ebert ließ in der Weltcupsaison mit einem zweiten Platz aufhorchen und schob sich in der Weltrangliste auf Platz sieben nach vorne.

»Eine Medaille wäre natürlich super«, sagte die mehrfache Jugend-Welt- und Europameisterin: »Aber in erster Linie will ich das umsetzen, was wir in den letzten Wochen und Monaten trainiert haben.« Mit Richard Schmidt, Dritter der WM 2017 und der EM 2018, hat der DFeB zudem im Degenbereich noch einen Überraschungskandidaten in seinen Reihen.

Mehr gemeinsame Trainingslehrgänge und größere Umfänge sollen die deutschen Fechter wieder zurück an die Weltspitze führen. Die Heim-EM in Düsseldorf kommt auf diesem Weg gerade recht: »Mit der Europameisterschaft im eigenen Land haben wir beste Bedingungen geschaffen, damit sich unsere Athleten für Olympia qualifizieren«, sagte DFeB-Präsidentin Claudia Bokel. Sollte das gelingen, geht die Entwicklung des deutschen Fechtens nach langer Zeit wieder in die richtige Richtung. SID/nd

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