Werbung

Keine angenehme Lektüre

Kolonialgeschichte

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Der Engländer war brutal, nicht wahr? Der Franzose - auch nicht ohne. Und der Portugiese erst! Vom Belgier gar nicht zu reden. Wir aber waren ganz anders, unsere Schwarzen mochten uns. Und sie kämpften gerne für unsere Sache.« So polemisch zugespitzt beschreibt Bartholomäus Grill in seinem Buch »Wir Herrenmenschen« die Haltung der Deutschen zu ihrer kolonialen Vergangenheit. Wenn sie nicht gerade komplett in Vergessenheit geraten sei, werde sie mit Zuckerguss überzogen. Klar, die Kolonialgeschichte der Deutschen liegt mehr als 100 Jahre zurück und währte auch nur kurz.

»Deutschland hatte einfach zu wenig Zeit, um größeren Schaden anzurichten«, ist eine verbreitete Meinung. Nach den Gräueln des Nationalsozialismus und dem Holocaust erschien die flüchtige Kolonialgeschichte im Rückblick geradezu als harmlose und ferne Episode. Doch das ist ein Trugschluss: Weder ist sie fern noch war sie harmlos, wie der Afrika-Korrespondent des »Spiegel« in seinem Buch zeigt. Gerade in jüngster Zeit ist das Thema wieder sehr aktuell. Das beweisen die Entschädigungsforderungen der Herero in Namibia ebenso wie die Diskussionen um die Rückgabe kolonialen Raubguts in Zusammenhang mit dem neuen Humboldt-Forum in Berlin.

Mit der Legende, dass die Deutschen die besseren Kolonialherren gewesen seien und es nur wenige beklagenswerte Ausreißer gegeben habe, räumt Grill gründlich auf. Sein Buch ist keine angenehme Lektüre. Es ist kritisch, anklagend, oft auch polemisch, konfrontiert uns mit unbequemen Wahrheiten. Fast alle früheren deutschen Kolonialgebiete hat der Journalist bereist - von Togo und Kamerun, Namibia und Tansania in Afrika bis nach Tsingtau in China und Neuguinea im Pazifik.

Grill begibt sich auf die Spuren von Kolonialbeamten und Soldaten, Forschern und Missionaren. An vielen Orten sind die Zeugnisse deutscher Vergangenheit vom Staub der Geschichte fast verweht, anderswo - besonders in Namibia, dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika - trifft er auf gut erhaltene wilhelminische Bauten und ein Deutschtum, das in Sprache und Alltagskultur stolz gepflegt wird. Es gibt auch kuriose Begegnungen wie die mit einem Gendarm in Douala (Kamerun), der sich voller Stolz als »Adolf, wie Adolf Hitler« vorstellt und dann noch hinzufügt, dass er die Rückkehr der Deutschen begrüßen würde.

Doch die Geschichte der Deutschen, etwa in Tansania, ist alles andere als ruhmvoll. Sie ist bestimmt von finsteren Figuren wie Carl Peters, einem »sadistischen Herrenmenschen«, der für Kaiser und Vaterland ein riesiges Gebiet zusammenraubte und dort eine tyrannische Willkürherrschaft errichtete.

Insgesamt, so Grill, war das ganze deutsche Kolonialsystem auf die Ausbeutung von Menschen und den Raub von Rohstoffen ausgelegt. Die gewaltsame Modernisierung zerstörte Traditionen und Bindungen - mit Folgen bis in die Gegenwart, wie sich an den willkürlich gezogenen Staatsgrenzen zeigt. Am beklagenswertesten findet es der Autor, dass Stereotype, rassistische Vorurteile und Überlegenheitsdünkel aus der Kolonialzeit keineswegs verschwunden sind. Das habe sich zuletzt vor allem wieder in der Flüchtlingskrise gezeigt. Afrika und seine Menschen würden nur als Gefahr, als Bedrohung gesehen. »Wir sehen die außereuropäische Welt nach wie vor mit dem imperialen Auge und behandeln ihre Bewohner nicht viel besser als in der Kolonialzeit«, ist sein Fazit. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!