Bedroht für seine Gewaltfreiheit

Germán Graciano ist Vertreter einer Friedensgemeinde in Kolumbien. Weil die sich nicht am bewaffneten Konflikt beteiligten wollte, wurde er mit dem Tode bedroht. Andere wurden ermordet.

  • Von Georg Sturm
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Eigentlich wollte Germán Graciano nur einen Kaffee trinken, als die fünf bewaffneten Männer in den Laden stürmen. Sie sind in Tarnfarben gekleidet, tragen Gewehre und Macheten bei sich. Ihr Ziel: der kleine, ruhige Mann mit den kurzen Haaren und dem Oberlippenbart. Bevor sie ihm etwas antun können, stürzen sich mehrere der Anwesenden auf die Angreifer. Es gelingt ihnen, zwei der Männer zu entwaffnen und festzuhalten, die anderen fliehen. Die Szene spielt sich am 29. Dezember 2017 ab.

Anderthalb Jahre später und über 10 000 Kilometer entfernt: Kieztreff am Kottbusser Tor. Germán Graciano sitzt an diesem Abend im Mai auf einem Podium in Berlin. Die Kolumbienkampagne hat zum Gespräch eingeladen. Das Thema: die prekäre Menschenrechtslage in dem südamerikanischen Land. Seine dicke Winterjacke wird der Kolumbianer, der höhere Temperaturen gewöhnt ist, während des gesamten Abends nicht ausziehen. Darunter trägt er ein weißes T-Shirt, dar...

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