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Weltall, Erde, Rammstein

Nicht auszuschließen, dass die Rauch- und Feuerperformancegruppe Rammstein am Samstagabend das Berliner Olympiastadion auseinandergenommen hat.

  • Von Andreas Gläser
  • Lesedauer: 3 Min.

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Oliver Riedel, Bassist von Rammstein, tritt beim Konzert der Band Rammstein im Olympiastadion auf.
Oliver Riedel, Bassist von Rammstein, tritt beim Konzert der Band Rammstein im Olympiastadion auf.

Sonnabendnachmittag, es steht die Frage im Raum: Was ziehe ich an, wenn in wenigen Stunden die Brachialrocker von Rammstein während ihrer Planetentour die Erde beehren? Gestern auf dem Mond, heute im Berliner Olympiastadion und morgen auf dem Mars. Ich trage auf jeden Fall meinen allerersten Button, nämlich den von der, wenn man das so sagen darf, Rammstein-Vorgängerband Feeling B.

Ich vermute stark, dass der seinerzeit auf Hiddensee von Flake oder Paul handgefertigt wurde. Der dritte im Bunde, Aljoscha, war ja eher der Autoklempner. Den Button habe ich wohl zum 750. Jahrestag der Hauptstadt der DDR im Kino International gekauft, nicht im Foyer oder im Saal; es ging über einen Seiteneingang die Treppen hoch in eine Art Betonschlauch.

Du lieber Himmel, war das ein Lärm. Gut, wenn es im Olympiastadion nur halb so laut wird. Feeling B hatten den Dreh raus, wie man in der DDR als Freak leben konnte, ohne vom Mann mit dem »Sag-mir-wo-du-stehst«-Hammer ins eine oder andere Extrem geprügelt zu werden.

Zum ungefähr 760. Geburtstag unserer Stadt starteten Flake und Paul mit der Kostüm- und-Knall-Rockgruppe Rammstein durch. Aljoscha sah ich mit neuen Verbündeten im »Café Zapata«, im Erdgeschoss des »Tacheles«. Hinter mir tanzte ein Typ wie ein Klappmesser und rammte mir mal so eben seine Zähne in den Hinterkopf. Jedes Konzert ging unter die Haut, keines verabschiedete sich völlig aus der Erinnerung.

Der Button sieht auch ziemlich mitgenommen aus, aufgrund eines Streifschusses. Ach nein, ich bin damit nur in den Regen gekommen. Nachdem sich der tapfere Aljoscha im Milleniumsjahr vorzeitig ins Jenseits verabschiedet hatte, gab es im Kesselhaus ihm zu Ehren ein Konzert von vielen Weggefährten. Paul und Flake rockten mit einigen Unterstützern drei oder vier Feeling B-Klassiker herunter, die hier und da an den Metallsound von Rammstein erinnerten. Keine Kostüme, keine Knaller. Von mir aus hätte die Reise mit Rammstein gerne in diese Richtung gehen können.

Ich bin halt ein Silvester-Verächter. Das Konzert wird sehr gut, so oder so. Ich erwarte nicht weniger, als dass das Olympiastadion auseinandergenommen wird, samt des benachbarten Wohnviertels, welches dem Bau eines neuen Stadions für Hertha BSC im Wege steht. Die braven Bewohner bekommen ein neues Zuhause, vermutlich in Schönefeld, oder auf dem Mars.

Rammstein werden auch ihrem Heimatbezirk Prenzlauer Berg ein neues Cantianstadion schenken. Die Fertigstellung darf für das Jahr erwartet werden, in dem die Spaßpolitiker mit dem Neubau beginnen wollen. Rammstein sind knorke. Keine andere deutsche Band weiß solch ein internationales, textsicheres und hübsches Fanvolk hinter sich.

Als Normalsterblicher kommt man nicht ins Konzert. Nicht einmal die Macher krummer Geschäfte konnten mir ein Ticket besorgen. Personalisierter Kartenverkauf. Nun habe ich seit wenigen Stunden wider Erwarten eine Konzertkarte, seit vielen Jahren auch einen Personalausweis. Zur Sicherheit nehme ich auch die in Till Lindemanns Gedichtband liegenden Kassenbons der sieben Rammstein-Alben mit.

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