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»Wir brauchen endlich Taten«

Konflikte und Klimawandel treiben immer mehr Menschen auf die Flucht

  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein Migrant steht nach seiner Ankunft im Hafen von Malaga.
Ein Migrant steht nach seiner Ankunft im Hafen von Malaga.

Berlin. Die Deutsche Welthungerhilfe hat die internationale Staatengemeinschaft aufgerufen, beim G20-Gipfel Ende der Woche in Japan endlich Maßnahmen für eine klimagerechte Politik zu vereinbaren. »Wir brauchen endlich Taten«, sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2018. Der Konsum und der Lebensstandard der Industrieländer verursache ökologische und wirtschaftliche Kosten. Die Welthungerhilfe spüre »die fatale Verbindung zwischen Klimawandel und Welternährung« zunehmend in ihrer Arbeit, sagte Thieme.

An die Adresse der Bundesregierung richtete Thieme die Forderung, die Vorgaben aus dem Koalitionsvertrag einzuhalten und die Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit im gleichen Verhältnis steigen zu lassen wie die Verteidigungsausgaben. Die Hilfsorganisation verfügte im vergangenen Jahr über rund 213,6 Millionen Euro, knapp 50 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Grund seien etwa Verträge mit Projektpartnern wie dem Welternährungsprogramm, die Ende 2018 abgeschlossen wurden und erst in die Bilanz für 2019 einfließen, sagte Generalsekretär Mathias Mogge.

Fast drei Viertel der zur Verfügung stehenden Mittel (155,4 Millionen Euro) waren 2018 sogenannte institutionelle Zuschüsse, etwa vom Bundesentwicklungsministerium (38,6 Millionen Euro), dem Auswärtigen Amt (20,3 Millionen Euro) oder dem Welternährungsprogramm (16,9 Millionen Euro).

54,9 Millionen Euro kamen aus privaten Spenden, knapp neun Millionen weniger als im Jahr davor. Zur Begründung hieß es, 2018 habe es keine medial präsenten Katastrophen gegeben, die die Spendenbereitschaft in der Regel mitbeeinflussen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 404 Projekte im Ausland finanziert. Die höchsten Förderungen gingen nach Burundi, Liberia und Syrien/Türkei, hieß es weiter.

Klimawandel trifft globalen Süden besonders

Die schlechte Sicherheitslage in vielen Projektländern erschwere den Zugang zu Menschen in Not und stelle die Welthungerhilfe vor große Herausforderungen, sagte Mogge. »Ganze Regionen sind bei Kämpfen von der Außenwelt abgeschnitten und Kriegsparteien verhindern die Einfuhr und den Transport von Hilfsgütern.« Obwohl der Bedarf an Hilfe weltweit zunehme, würden die Arbeitsbedingungen zunehmend gefährlicher.

Die Präsidentin der Welthungerhilfe betonte, im Mittelpunkt der Arbeit standen im vergangenen Jahr die Folgen von Kriegen und Klimawandel. Wegen steigender Temperaturen müsse in den kommenden Jahren mit drastischen Ernterückgängen, der Ausdehnung von Trockengebieten und abnehmenden Fischbeständen gerechnet werden, sagte Thieme, die auch Vorsitzende des Rates für nachhaltige Entwicklung bei der Bundesregierung ist.

So sei die Zahl der Hungernden aktuell wieder auf 821 Millionen Menschen weltweit angestiegen. 2017 konnten sich den Angaben zufolge rund 39 Millionen Menschen aufgrund von Klimaereignissen wie Dürren, Überschwemmungen und Stürmen nicht mehr ausreichend ernähren.

Die Folgen des Klimawandels treffe am stärksten die Bevölkerungsgruppen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, sagte Thieme: »Die Ärmsten des Südens tragen die Hauptlast eines Problems, das die reichen Länder des Nordens ausgelöst haben.«

Thieme betonte, Deutschland gehöre aktuell zu den zehn weltweit größten »landimportierenden« Staaten: »22 Millionen Hektar Ackerland müssen für unseren Konsum bewirtschaftet werden. Davon werden nur zwölf Millionen Hektar durch die Produktion im eigenen Land gedeckt.« Den Rest müssten Flächen im Ausland bereitstellen etwa für Futtermittel aus Brasilien und Argentinien oder Palmöl aus Indonesien und Malaysia. Derartig genutzte Flächen stünden dann nicht mehr für die Versorgung der lokalen Bevölkerung zur Verfügung, wie Erfahrungen beispielsweise in Sierra Leone zeigten. epd/nd

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