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Die Aldisierung unserer Gesellschaft

Durch ihre Sozial- und Lohnpolitik verhindert die Bundesregierung, dass viele Menschen sich nachhaltig ernähren. Denn Klimaschutz muss man sich leisten können.

  • Von Roberto De Lapuente
  • Lesedauer: 3 Min.

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Klimaschutz: Die Aldisierung unserer Gesellschaft

Die Bundesrepublik galt in Sachen Klimaschutz einst als Vorbild. Davon ist nichts mehr übrig. Die Treibhausemissionen werden 2020 gegenüber 1990 nur um 32 Prozent reduziert sein – 40 Prozent waren als Planungsziel festgelegt worden. Besonders der Straßenverkehr ist dafür verantwortlich. Spätestens seit den Diesel-Skandalen der Autobauer muss man sich dieser Tatsache stellen: Die 2050 geplante Treibhausneutralität des Pariser Klimaschutzabkommens ist in Gefahr.

Ich weiß nicht, wie es den Leserinnen und Lesern geht, aber ich tue mich schwer mit CO2-Werten, Emissionszielen und Zahlen zur Klimaneutralität. Nicht etwa, weil ich das für Humbug halte. Nein, ich kann die wissenschaftlichen Ausführungen schon mehr oder weniger nachvollziehen. Ich konnte jedoch schon den Chemie-Unterricht in der Schule nicht leiden. Das war mir zu abstrakt – und ein langweiliger Lehrer machte mir die ganze Geschichte nicht gerade spannender. Diese Abneigung setzt sich bis heute fort.

Wenn es also um die wissenschaftlichen Auswertungen geht, liefere ich mich den Experten aus. Das alles ist für mich mehr Glaubenssache als alles andere. Aber an einer Entwicklung kann ich - auch ohne ein Umwelt-, Chemie- und Biologieexperte zu sein - erkennen, dass die Bundesregierung nichts für den Klimaschutz tut: an ihrer Lohn-, Arbeitsmarkt-, Renten- und Sozialpolitik. Denn nachhaltig erzeugte Produkte muss man sich leisten können. Qualität kostet Geld. Alleine mit dem Appell an potenzielle Konsumenten, sie mögen bitte auf die Produktionsbedingungen und die Herkunft achten, ist es nicht getan. Der mündige Verbraucher kann erst mündig handeln, wenn er in die finanzielle Lage versetzt wird, einen bewussten Konsum zu leben.

Durch Löhne am Rande des Existenzminimums zwingt man die Menwschen regelrecht, bei Aldi und Konsorten einkaufen zu gehen. Dort kaufen sie vor allem Lebensmittel ein, die nicht nachhaltig, nicht ökologisch und klimaneutral hergestellt sind. Die Lohnzurückhaltung der jüngsten Vergangenheit, dazu der Sozialabbau: Das hat maßgeblich die Aldisierung unserer Gesellschaft angeschoben.

Lebensmittel sind so günstig wie nie in Deutschland. In kaum einen Land Europas kann man sich so billig ernähren. Insbesondere die Fleischindustrie, einer der größten Klimakiller, hat sich hier wie die Made im Speck ausbreiten können. Niedrige Löhne, kaum Hygiene- und Qualitätskontrollen und wenig Umweltauflagen haben einen Sektor geschaffen, in dem Fleisch zu günstigsten Bedingungen erzeugt, zerlegt und verpackt werden kann.

Für die vielen Menschen, die in den unteren Einkommenssegmenten der Gesellschaft darben, ist dieses Angebot die einzige Option. Bratwürste sind ja oft billiger als gutes, biologisch angebautes Gemüse. Ausweichen auf andere Produkte ist nicht. Selbst wenn sie wollten. Der kritische Verbraucher ist quasi abgeschaltet, wegen seiner finanziellen Lage von kritischem Konsum oder eines Lebensmittelboykotts ausgeschlossen.

Dass man klimaneutral einkaufen kann, auf regionale Produkte zurückgreifen sollte - und das besser nicht bei Discountern, sondern auf dem Markt: Diese Ratschläge liest man in jedem gut geführten Lifestyle- oder Verbrauchermagazin. Nur leisten muss man sich so eine Lebensführung eben können. Aufgrund der verfehlten Sozialpolitik kann man also sagen: Die erste Grundaufgabe für einen nachhaltigen Klimaschutz ist nicht erfüllt.

Kostenneutral kann Klimaschutz nicht geschehen. Jeder wird mehr machen müssen. Fleisch aus der Massentierhaltung muss deutlich teurer und mit staatlichen Vorgaben reguliert werden. Millionen von Menschen, die auf unterstem Level verdienen, sind als Verbraucher eine Bürde, die jeden Klimaschutz unterwandert. Und das kapiere sogar ich, wo ich doch mit allen anderen Zahlen zum Klimaschutz so wenig anfangen kann.

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