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Experimentierfeld Europaspiele

Bei der sowohl sportlich als auch politisch umstrittenen Veranstaltung in Minsk konnte das deutsche Team nur teilweise überzeugen

  • Von Martin Beils, Minsk
  • Lesedauer: 3 Min.

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Auftrag erfüllt, alle Olympia-Tickets gebucht. »Wir reisen mit ganz breiter Brust nach Hause«, sagte Richard Prause, der Sportdirektor des Deutschen Tischtennis Bundes, als sich zum Abschluss der Europaspiele am Samstag auch noch das Herrenteam gegen Schweden und die Damen gegen Rumänien mit glatten 3:0-Finalsiegen Gold sicherten. »Es war eine eindrucksvolle Leistung, man kann fast sagen, Machtdemonstration«, befand der deutsche Verbandspräsident Manfred Geiger. Mit vier von fünf möglichen Goldmedaillen, Tokio-Startplätzen für beide Teams und damit auch für je zwei Einzelspieler sowie im Mixed haben die Tischtennisspieler das Beste aus der Woche in Minsk gemacht.

25 Medaillen, davon sieben goldene, holte die Mannschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes bei der zweiten Auflage der Europaspiele. »Wir hätten gern die eine oder andere Medaille mehr gehabt«, räumte Delegationsleiterin Uschi Schmitz ein. Eine Vorgabe hatte der DOSB, der vor vier Jahren in Baku noch 66 Podestplätze erreicht hatte, nicht formuliert. Neben der herausragenden Abteilung Tischtennis durften vornehmlich die Kanuten, Boxer und Ringer zufrieden sein. Die Schützen lieferten ein durchwachsenes Resultat, die Judokas enttäuschten.

»Das beste Team Europas«, wie Tischtennis-Topstar Timo Boll seine Mannschaft bezeichnete, erspart sich weitere Mühen. Jörg Roßkopf, Bundestrainer der Männer, kann die Planungen mit Blick auf die am 24. Juli 2020 beginnenden Olympischen Sommerspiele in Tokio präzisieren. »Zu den Zeitpunkten der Qualifikationsturniere im Januar, April und Mai können wir nun über Lehrgänge als gezielte Olympiavorbereitungen nachdenken. Und den Spielern bleiben Reisen erspart«, sagte er. Insbesondere Dimitri Owscharow zeigte sich nach Teamgold erleichtert, hatte er doch im Achtelfinaleinzel gepatzt und die Tokio-Qualifikation auf diesem Weg noch nicht geschafft.

Die Europaspiele bleiben sportlich und politisch umstritten. Präsident Alexander Lukaschenko präsentierte in dem von ihm autokratisch geführten Belarus ein Sportfest in olympischem Erscheinungsbild, das der Chef der Europäischen Olympischen Komitees, der Slowene Janez Kocljancic, lobte: »Wir haben eine exzellente Organisation erwartet. Aber jetzt würde ich sagen, dass sie sogar besser war als erwartet.«

Stephan Mayer, der als Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium die Bundesregierung in Minsk vertrat, sah es indes als ein »bedauerliches und unglückliches Signal« an, dass Belarus noch kurz vor Beginn der Spiele die Todesstrafe vollstrecken ließ. Er sprach zudem von »Verbesserungsbedarf, was die Themen der Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte angeht.«

Für Uschi Schmitz hätte »die Veranstaltung mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt, sowohl hier im Land als auch in Deutschland.« Doch die Europaspiele sind schwer durchschaubar: Hier gleichzeitig Europameisterschaft, da direkte Olympiaqualifikation, dort Experimentierfeld wie beim neuen Teamwettbewerb der Leichtathleten. Für Schmitz haben die Europaspiele eine Zukunft, wenn alle Wettkämpfe Zugangsmöglichkeiten zu den folgenden Olympischen Spielen bieten. Krakau 2023 soll somit zum Vorspiel für Paris 2024 werden. Doch noch ist gar nicht klar, welche Sportarten in vier Jahren in Polen ausgetragen werden.

Und dann sind da auch noch die European Championships als Konkurrenz. Dieser Zusammenschluss von Europameisterschaften in olympischen Kernsportarten wie Leichtathletik, Schwimmen und Turnen, der im vergangenen Jahr seine Premiere in Berlin und Glasgow feierte, wirkt etwa für die Kanuten attraktiver. »Da wollen wir unbedingt rein«, sagte deren Verbands Präsident Thomas Konietzko. Noch dazu, falls die Titelkämpfe 2022 in München stattfinden, 50 Jahre nach den Olympischen Spielen an gleicher Stelle. dpa/nd

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