Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Oh Captain! My Captain!

Große Solidarität mit der festgenommenen »Sea-Watch«-Kapitänin Carola Rackete

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 3 Min.

Berlin. »Carola Rackete gehört nicht ins Gefängnis. Sie gehört in die Geschichtsbücher.« Bilder der »Sea-Watch 3«-Kapitänin mit diesem Slogan verbreiteten sich rasant in den sozialen Medien. In vielen deutschen Städten gab es am Sonntag spontane Demonstrationen. Wegen der Rettung von 53 Flüchtlingen, die vor Libyen ein Schiffsunglück überlebt hatten, droht der Kapitänin eine Anklage in Italien. Rackete wurde am Samstag festgenommen. In der Nacht zuvor hatte die 31-Jährige entschieden, mit ihrem Schiff in den Hafen von Lampedusa einzulaufen, nachdem sie tagelang erfolglos darum gebeten hatte, anlanden zu dürfen. Schließlich setzte sie sich über das Verbot der italienischen Behörden hinweg. Ein Schnellboot der Polizei versuchte vergeblich, das Anlegen zu verhindern. Rackete gab an, sie sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen. Aber: Sie trage Verantwortung für die Menschen an Bord und müsse sie in Sicherheit bringen. »Ich hatte Angst«, sagte die Kapitänin. Sie habe Suizide befürchtet. Die Menschen an Bord waren gezeichnet von Folter und dem langen Weg nach Europa.

»Carola Rackete hat ihre humanitäre Pflicht erfüllt, indem sie die Geretteten nach wochenlangem Schweigen der EU und der Bundesregierung sicher in Italien an Land brachte«, sagte der LINKE-Menschenrechtsexperte Michel Brandt dem »nd«. Auch der Vorstand der Partei erklärte sich solidarisch mit der Kapitänin. Sie habe »höchst verantwortungsvoll gehandelt«, als sie mit der »Sea-Watch 3« in den Hafen der Insel Lampedusa einfuhr, um die Geflüchteten an Land zu bringen.

»Was unserer Kapitänin nun vorgeworfen wird, wissen wir noch nicht genau«, sagte Ruben Neugebauer, Sprecher der Berliner Rettungsorganisation Sea-Watch, dem »nd«. Für ihn ist klar: »Sie hat eine rechtswidrige Situation beendet.« Laut Seerecht sei die Kapitänin verpflichtet gewesen, die Menschen in einen sicheren Hafen zu bringen. »Wir sind nicht nur moralisch, sondern auch juristisch im Recht«, so Neugebauer. Er kündigte an, dies notfalls auch vom italienischen Verfassungsgericht bestätigen zu lassen. »Der Mut und die Tatkraft, den sie und die Crew der ›Sea-Watch 3‹ in dieser Mission bewiesen haben, ist bewundernswert«, sagte Pia Klemp, eine weitere Kapitänin von Sea-Watch, die in Italien vor Gericht steht, dem »nd«.

Die Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf haben zu Spenden für die Prozesskosten Racketes aufgerufen. »Wer Menschenleben rettet, ist kein Verbrecher!«, steht in dem Aufruf. »Diesem Unrecht tatenlos zuzusehen, ist keine Option.« In den ersten 30 Minuten gingen nach Angaben der Moderatoren bereits 15 000 Euro ein.

Das Drama an der EU-Außengrenze geht derweil in die nächste Runde: Die »Open Arms« rettete am Sonntag ein Boot mit 40 Personen, darunter vier Babys und drei Schwangere. Die spanische Rettungsorganisation versorgt die nach drei Tagen Überfahrt aus Libyen gefährlich dehydrierten Menschen und bat die Behörden, ihnen einen Hafen zuzuweisen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln