Junger Habermas

Kürzlich ist Jürgen Habermas, vielleicht der letzte Star der Sozialdemokratie, 90 geworden. Mit »Der junge Habermas« hat Roman Yos eine Biografie über die Anfänge des Philosophen verfasst, selbstverständlich als wissenschaftliche Arbeit, mit der er 2016 an der Universität Potsdam promovierte. Sie ist gut und verständlich geschrieben und schildert, wie sich der Sohn eines Nazis und Wehrmachtskommandanten aus Gummersbach von einem Verehrer der vormaligen Nazi-Unterstützer Martin Heidegger und Gottfried Benn zu einem Gegner der politischen Restauration entwickelte, der auch die »Ohne mich«-Kampagne gegen die Wiederbewaffnung unterstützte, was damals fast schon als kommunistisch galt, auch wenn es eine Position der SPD war. Demgegenüber entwickelte der junge Habermas einen emphatischen Demokratiebegriff, der den »schwierigen und ungewissen Prozess der Selbstbefreiung der Menschheit« befeuern sollte, wie er 1961 in seiner Untersuchung »Student und Politik« schrieb. Das ging bei ihm aber nicht so weit, dass es ihn gehindert hätte, den Marxismus aus der Kritischen Theorie zu exkulpieren (Suhrkamp, 521 S., br., 24,80 €).

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