Werbung

Besser ohne Blaulicht

Für die Spätschicht am Rechner: Software, Folien und Spezialbrillen reduzieren bedenkliche Strahlung

  • Von Angela Stoll
  • Lesedauer: 4 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Während der Arbeit starren Büromenschen oft stundenlang auf Monitore, in der Freizeit blicken sie auf Smartphones, Notebooks und Fernseher. Die starke Belastung der Augen kann viele Folgen haben - angefangen von Ermüdungserscheinungen über Kopfschmerzen und Fehlhaltungen bis hin zu trockenen, brennenden Augen (»Office-Eye-Syndrom«). »Wir gehen davon aus, dass etwa 70 Prozent der Menschen, die an Bildschirmen arbeiten, Beschwerden mit den Augen haben«, sagt der Optometrist Oliver Kolbe von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Sein Fachgebiet sind Messungen und Bewertungen von Sehfunktionen. Über die genannten Symptome hinaus könnten langfristig noch ganz andere Probleme auftreten: Blaulicht, das Monitore abstrahlen, wirkt sich auf Dauer möglicherweise negativ auf die Gesundheit aus.

Moderne Flachbildschirme werden mit LEDs von hinten beleuchtet, die Licht mit einem hohen Anteil im blauen Spektralbereich aussenden. Blaulicht kann in hohen Dosen die Netzhaut akut schädigen: »Es gibt starke LED-Quellen, bei denen die Expositionsgrenzwerte nach kurzer Zeit überschritten werden, wenn man in einem kurzen Abstand, zum Beispiel von 20 Zentimetern, direkt hineinblickt«, sagt Ljiljana Udovicic von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Sie relativiert jedoch: »Bürobeleuchtung, Bildschirme von Computern, Smartphones und Notebooks sind aber weit weg von diesen Werten. Daher erwarten wir nicht, dass es durch solche Geräte zu einer Netzhautschädigung kommt.«

Allerdings halten es manche Wissenschaftler für möglich, dass sich die Auswirkungen erst nach Jahren bemerkbar machen: Blaulicht kann Zellschädigungen in der Netzhaut verursachen, die möglicherweise das Risiko für altersbedingte Makula-Degeneration (AMD) erhöhen. Bei dieser chronischen Erkrankung, die vor allem bei Menschen ab 60 Jahren auftritt, geht die zentrale Sehschärfe verloren. Solide Belege gibt es dafür jedoch nicht.

Blaulicht hat aber noch ganz andere Auswirkungen auf den Körper. Es unterbindet die Müdigkeit, indem es die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hemmt, und steuert somit den Biorhythmus. »Der Blaulichtanteil im Tageslicht ist morgens und am Vormittag hoch und verringert sich im Verlauf des restlichen Tages«, sagt Kolbe, der in der Arbeitsgruppe »Bildschirmarbeit im Demographischen Wandel« unter der Leitung von Stephan Degle zum Thema promoviert. Ist man nachts künstlichem Blaulicht ausgesetzt, kann das die innere Uhr durcheinanderbringen. Auch Arbeitsschutz-Expertin Udovicic sieht diesen Zusammenhang gut belegt. »Eventuell wird dadurch sogar die Entstehung von Krebs begünstigt«, sagt sie. Ein Mangel an Melatonin führe nämlich dazu, dass DNA-Schäden in den Zellen schlechter repariert werden.

Daher ist es sinnvoll, den Blaulichtanteil künstlicher Lichtquellen abends und nachts zu senken. »Dazu wird im Moment viel auf den Markt gebracht«, sagt Kolbe. »Die stärkste Reduktion erreicht man mit Blaulichtfiltern an den Geräten selbst.« So haben einige Monitore einen integrierten Blaulichtfilter, der sich individuell einstellen lässt. Bei manchen Modellen lässt sich der Blaulichtanteil nach Herstellerangaben auf diese Weise um mehr als 70 Prozent senken. Bei neueren Smartphones kann man in der Regel einen Nachtmodus (»Night Shift« bei Apple) aktivieren, der bei Dunkelheit wärmere Farbtöne und damit weniger Blaulicht ausstrahlt. Daneben gibt es diverse Software für Computerbildschirme. Kolbe nennt hier vor allem das kostenlose Programm »f.lux«, das die Farbtemperatur an die Tageszeit anpasst. Es ist mit den gängigen Betriebssystemen kompatibel. Abgesehen davon sind auch diverse Anti-Blaulicht-Folien und -Scheiben auf dem Markt, die man auf Smartphone oder PC-Monitor klebt.

Ein neuer Trend ist der »Dark Mode«, den inzwischen viele Apps und Programme für Computer- und Smartphone-Bildschirme bieten: Dadurch erscheinen helle Zeichen auf einem dunklen Hintergrund. Das soll Strom sparen und in einer dunklen Umgebung die Augen schonen. Ob die Darstellung aus ergonomischer Sicht wirklich Vorteile hat, ist aber noch nicht erwiesen. Für Büroarbeitsplätze wird in der Regel jedenfalls eine helle Umgebung und die gängige Positivdarstellung (dunkle Zeichen auf hellem Grund) empfohlen. »Die Positivdarstellung bietet eine bessere Anpassungsmöglichkeit der Augen an die Arbeitsumgebung und verbessert die Lesbarkeit der Zeichen«, heißt es zum Beispiel bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft. Andererseits haben Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Augenheilkunde der Universität Tübingen Anhaltspunkte dafür gefunden, dass das Lesen von hellem Text vor schwarzem Hintergrund die Entwicklung von Kurzsichtigkeit bremsen könnte.

Um Blaulicht zu blocken, werden zudem diverse blaulichtreduzierende Brillengläser, Brillenaufsätze und sogar Kontaktlinsen angeboten. Sie seien vor allem dann sinnvoll, wenn man sich auch draußen vor schädlichem Licht schützen wolle, meint Kolbe. Für das Büro hält er nicht optische Lösungen, also Software-Filter an den Geräten, für effektiver und einfacher. In den nächsten Jahren werden neue Technologien auf den Markt kommen, wie der Optometrist berichtet. In der Erprobungsphase seien zum Beispiel holografische Displays und Holografie-Brillen, die ein erweitertes 3-D-Sehen möglich machen. »Damit wird das Sehen am Display endlich deutlich natürlicher werden«, meint Kolbe. Ob sich die Technik im Büroalltag durchsetzt, bleibt abzuwarten.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!