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Bannbrecher

Neues aus dem Trainingslager des 1. FC Union von Alexander Ludewig

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Berlin ist weit weg. Wenn der Mensch selbst fliegen könnte oder es in Windischgarsten einen Flughafen geben würde, wären 540 Kilometer zu überwinden. Auf dem Umweg über Straßen und Berge in die oberösterreichische Marktgemeinde sind es 220 Kilometer mehr. Weit weg ist in diesen Julitagen im Trainingslager des 1. FC Union auch noch der November mit dem ersten Stadtderby gegen Hertha BSC in der Bundesliga. Einer kann es aber kaum erwarten. »Da bin ich richtig heiß drauf«, sagt Julius Kade. Der 20-Jährige wechselte in diesem Sommer die Farben, statt Blau-Weiß trägt er jetzt Rot-Weiß.

Der Mittwochabend war ein besonderer für Kade. Wie jeder Neuzugang musste auch er sich der Mannschaft mit einem Lied vorstellen. »Ab in den Süden« hat er gesungen. Geografisch passt der Titel, inhaltlich nicht: Von »Sommer« und »Sonne« gibt es hier leider viel zu wenig. In den nächsten Tagen soll es nur noch regnen. Immerhin: »Die Stimmung war richtig gut«, berichtet Kade über die Reaktionen während seiner Einlage.

Am Donnerstag, auf dem Platz, machte der Offensivspieler alles wie immer. Auch wenn er sagt, dass sich jeder dem Trainer anbieten müsse, weiß er, dass »junge und neue Spieler etwas mehr machen müssen«. Wie schwierig das ist, wird in den Trainingsspielen deutlich. Weil Kade körperlich noch eher an einen A-Jugendlichen erinnert, fällt er nicht gleich auf - und hat es schwer, sich durchzusetzen. An seinem Plan, »mit guten Aktionen und Toren Selbstvertrauen zu gewinnen«, arbeitet er aber sichtbar hart.

Einen Vorteil hat Kade jedoch gegenüber den meisten, weil älteren Spielern. »Es tut noch nichts weh«, sagt er nach dem vierten Trainingstag. Kraft, Ausdauer, Taktik? »Es macht Spaß.« Und das Nebeneinanderschwitzen und gegenseitige Motivieren bringe die Mannschaft näher zusammen. Ein weiterer Vorteil ist ihm Antrieb. Im Gegensatz zu vielen Mitspielern stand Kade schon in der Bundesliga und der Europa League auf dem Platz. »Auch wenn es nur wenige Minuten waren, es ist cool, das erlebt zu haben.« Er will mehr davon.

Wenn man am Abend in Windischgarsten unterwegs ist, dann ist Berlin gar nicht mehr so weit weg. Manch Gasthof ist schon komplett in Union-Händen. Ein Thema liegt dann immer schnell auf dem Tisch: das Berliner Derby. Der Vorschlag von Hertha BSC, es am 9. November zum 30. Jahrestag des Mauerfalls auszutragen, wurde nicht aufgegriffen. Und kam in Köpenick auch nicht gut an. Unions Präsident Dirk Zingler fand es »absurd, diesem Spiel eine Art Freundschaftsspielcharakter zu geben«. Heiß diskutiert wird weiterhin. Julius Kade geht angenehm entspannt mit der Rivalität um. Auf den ersten Wechsel eines Spielers von Hertha BSC zu Union seit 1996 habe er fast nur positive Reaktionen bekommen, jedem anderen wolle er seine Meinung lassen. »Irgendjemand musste ja mal den Bann brechen«, sagt er als gebürtiger Berliner, der nun von Kladow in den Friedrichshain gezogen ist.

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