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Deutsche Wohnen ist raus

Land Berlin sticht Konzern beim Kauf von 600 Wohnungen an der Karl-Marx-Allee aus

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die Deutsche Wohnen und der Senat geeinigt. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag übernimmt die rund 600 Wohnungen, die der Immobilienkonzern vom bisherigen Eigentümer, der Predac, kaufen wollte. Das teilte die Senatskanzlei am Montag mit. Das Vertragsangebot beinhaltet die unverzügliche Übernahme aller Wohnungen und Gewerbeeinheiten, die nicht einzeln von bisherigen Mietern erworben werden. Damit geht ein rund ein Dreivierteljahr währender Krimi zu Ende. Anfang November 2018 war bekannt geworden, dass sich der größte und umstrittenste Wohnungseigentümer der Hauptstadt auch die historischen Bauten an der Karl-Marx-Allee einverleiben will.

»Alles, was von Anfang an hätte passieren sollen, ist nun geschehen«, freute sich Norbert Bogedein gegenüber »nd«. Er ist Vorsitzender des Mieterbeirates der 1993 privatisierten Bauten an der Karl-Marx-Allee.

»Ich möchte, dass die Berlinerinnen und Berliner sich das Wohnen in der Stadt auch weiterhin leisten können«, erklärte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). »Deshalb war und ist es meine feste Absicht, dort wo es geht, Wohnungen zu kaufen, damit Berlin wieder mehr Kontrolle über den Wohnungsmarkt erlangt«, so Müller weiter. Die Wohnungen an der Karl-Marx-Allee seien ein erster guter Schritt.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (LINKE) bezeichnete es als »einen großartigen Erfolg von Senat, Bezirk und Mieterbeirat und eine gute Nachricht für alle Mieterinnen und Mieter, die mit ihrem engagierten Kampf gegen eine Übernahme der Bestände durch die Deutsche Wohnen und ihre Bereitschaft für unkonventionelle Wege zur Rekommunalisierung, maßgeblich zum Gelingen beigetragen haben«.

Die Vertragspartner Predac und Deutsche Wohnen hatten eine Vertragskonstruktion gewählt, die den Mietern die Wahrnehmung des ihnen zustehenden persönlichen Vorkaufsrechts fast unmöglich machte. In der Vorweihnachtszeit wurde schließlich das Modell »gestreckter Erwerb« entwickelt, mit dem die Wohnungen über die individuellen Vorkaufsrechte der Mieter an die Gewobag gelangen sollten.

Von den zunächst vier Blöcken ging D-Süd mit 80 Wohnungen über die Ausübung des bezirklichen Vorkaufsrechts an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM). Bei dem jetzigen Kaufvertrag geht es um rund 670 Wohnungen der Blöcke C-Nord und -Süd sowie D-Nord. Es werde vermutlich noch einige Wochen dauern, bis die Gremienentscheidungen und technische Klärungen in der Predac abgeschlossen sind, teilte die Senatskanzlei mit; der Aufsichtsrat der Gewobag habe sich jedoch bereits für den Vertrag ausgesprochen. Rund 60 Mieter haben ihr Vorkaufsrecht bereits privat wahrgenommen, eine rund 140 Quadratmeter große Wohnung dort wurde im Internet noch in der Vorwoche für knapp 850 000 Euro zum Kauf angeboten.

Über den Block F-Nord mit rund 150 Wohnungen, den die Deutsche Wohnen ebenfalls von der Predac übernehmen wollte, seien Gespräche beabsichtigt, so die Senatskanzlei.

»Ein Kampf, den viele für ein Himmelfahrtskommando gehalten haben, ist nun mit dem maximalen Ergebnis erfolgreich zum Ende gekommen«, sagte der Friedrichshain-Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Ziel müsse es sein, »mittelfristig, wie in Wien, mindestens 50 Prozent der Mietwohnungen in Gemeinwohlbewirtschaftung zu bringen«.

Das wäre womöglich auch schneller gegangen. »Mir wurde zugetragen, dass der WBM bereits im Frühjahr 2018 die Blöcke von der Predac angeboten wurden. Damals sollen sie ihr zu teuer gewesen sein«, berichtet Norbert Bogedein. Das sage er als einfacher Mieter.

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