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Hauen, ziehen, untertauchen

Im Freiwasser geht es ruppig zu. Zwei deutsche Schwimmer setzten sich bei der WM durch und holten Medaillen

  • Von Andreas Morbach
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wenn es sein muss, wird Florian Wellbrock auch mal sein eigener Motivator - und es muss häufiger sein. Vor den harten, oft eintönigen Einheiten im Trainingsalltag etwa schaut sich der gebürtige Bremer manchmal schon morgens im Bett Aufnahmen von seinen Wettkämpfen an. Absolute Nummer eins ist das EM-Rennen über 1500 Meter Freistil im Sommer 2018 in Glasgow, wo er mit der viertschnellsten je geschwommenen Zeit Gold holte. »Wenn ich das sehe, weiß ich: Dafür lohnt es sich zu kämpfen«, betont Wellbrock, dem nun auch beim ersten WM-Auftritt in Südkorea ein psychologischer Kniff half.

Zusammen mit seinem Zimmerkollegen, Magdeburger Trainingspartner und guten Freund Rob Muffels hängte der 21-Jährige im WM-Quartier der deutschen Freiwasserschwimmer eine Tokio-Flagge mit den olympischen Ringen auf. In gut einem Jahr beginnen in der japanische Metropole die Olympischen Spiele - und beim WM-Rennen über zehn Kilometer lösten die beiden Dauerkrauler aus Sachsen-Anhalt am Dienstag prompt das Ticket nach Tokio. Aber nicht einfach so. Sondern mit Wellbrock als strahlendem neuen Weltmeister. Und Muffels - der dem Sieger den schärfsten Konkurrenten Marc-Antoine Olivier aus Frankreich mit nicht ganz astreinen Aktionen knapp vom Leib hielt - als zufriedenem Bronzemedaillengewinner.

»Am Ende hab’ ich den Franzosen noch ein bisschen am Bein ziehen können. Ich hoffe, das war ausschlaggebend für Florians Goldmedaille«, erklärte der 24-Jährige ganz offen im ZDF. Bei der letzten Wende hatte er Olivier »schon mal ein bisschen härter weggedrückt«, kassierte dafür eine Verwarnung. »50 Meter vor dem Ziel hab’ ich einfach nur das dünnere Bein gesehen und wusste, das ist der Franzose und nicht Florian. Deswegen hab’ ich die Hand da mal ein bisschen ausgestreckt«, sagte Muffels salopp. Proteste gab es keine. Freiwasserschwimmen ist eine harte Angelegenheit. Man steckt ein, man teilt aus. »Olivier ist unfairerweise über mich drüber und hat mich untergetaucht. Aber ich bin hinten raus der Schnellere, konnte mich lösen und Gas geben«, berichtete Wellbrock.

Ganz selig war nach der dritten von sieben Entscheidungen im Freiwasser Stefan Lurz. »Das ist wirklich ein historischer Tag für uns alle«, schwärmte der Bundestrainer, den zwei Tage zuvor bereits die Magdeburgerin Finnia Wunram und Leonie Beck (Würzburg) mit ihrer Olympiaqualifikation erfreuten. Florian Wellbrock war der dafür nötige Top-Ten-Platz längst nicht mehr genug. Fünf Mal in Folge gewann er im Weltcup zuletzt über die zehn Kilometer. Nach seinem Triumph im Hafenbecken von Yeosu erzählte er nun: »Ich habe in den letzten Nächten vor dem Einschlafen immer daran gedacht, dass ich Weltmeister werden will.«

Dieser Ehrgeiz trieb ihn schon mit 17 Jahren von der sportbetonten Schule im Bremer Stadtteil Horn-Lehe ans Sportinternat nach Magdeburg. Seitdem trainiert er unter Bernd Berkhahn - der seit Februar auch als Teamchef der deutschen Schwimmer fungiert und im nd-Gespräch über Wellbrock sagt: »Er hat nach der EM da weiter gemacht, wo er aufgehört hat, trainiert weiter sehr konzentriert und schaut stets nach vorne.«

Das Urteil von Wellbrocks Lebensgefährtin Sarah Köhler fällt noch klarer aus. »Ich würde behaupten, dass er im Training seit Glasgow noch zielstrebiger arbeitet«, meint die 25-Jährige, die am Donnerstag im Mixed-Teamwettbewerb der Freiwasserschwimmer startet, ehe sie wie ihr Freund nach Gwangju zu den Beckenspezialisten übersiedelt.

Dann wird auch die spannende Frage geklärt, ob Deutschlands größter Hoffnungsträger für Tokio 2020 die Doppelbelastung verträgt - und das aktuelle Experiment mit Starts im Freiwasser und im Pool bei Olympia eine Fortsetzung finden kann. In der Küstenstadt Yeosu war der Versuchsballon jedenfalls erst einmal prall gefüllt. »Es kann sein, dass der Erfolg eine Sogwirkung auf mich hat«, erklärte Wellbrock mit Gold um den Hals, dann schob er vorsichtig hinterher: »Es kann aber auch kontraproduktiv sein. So ein Zehn-Kilometer-Rennen haut ganz schön rein.«

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