Mit scheinbar traurigem Blick schaut die Bordeaux-Doggen-Hündin Olga in Nürnberg (Bayern) anlässlich eines Pressetermins zu der Internationalen Rassehunde-Ausstellung CABIB in die Kamera.
Dr. Schmidt erklärt die Welt

Welcher Wolf braucht schon Plüschtiere?

Dr. Steffen Schmidt ist Wissenschaftsredakteur des »nd« und der Universalgelehrte der Redaktion.

Von Christof Meueler

Hast du eigentlich mal einen Hund gehabt?

Nee. Tiere finde ich total interessant, aber vorzugsweise in einem Abstand von mindestens fünf Metern, bei größeren Tieren gerne hinter Glas. Was vielleicht damit zusammenhängt, dass ich als kleines Kind sowohl mit Gänsen und als auch mit einem Spitz aneinandergeraten bin. Danach bin ich diesen Tieren aus dem Weg gegangen, übrigens auch Schwänen, denn die können ziemlich grantig werden.

Einer neuen Studie zufolge können Hunde ihren berühmten Hundeblick steuern: Sie tarnen das Animalische mit Harmlosigkeit.

So könnte man das interpretieren, ja.

Das Verblüffende daran ist, dass sie scheinbar die einzigen Vierbeiner sind, die das können.

Obwohl sie ja nun so eng mit dem Wolf verwandt sind, kann der sich merkwürdigerweise nicht so schön einschleimen.

Ihm fehlen die Muskeln für den Hundeblick.

Oder er benutzt sie nicht. Hunde haben aber eine besondere Gabe: bestimmte Gesten und Signale von Menschen zielsicher zu interpretieren, während Wölfe daran scheitern.

Hunde brauchen viel Zuwendung.

Vor zwei Jahren las ich von einem Border Collie, eine ziemlich nervöse Art von Hund, die sich zu Tode langweilt, wenn man sie nicht beschäftigt, etwa mit dem Hüten einer Schafherde. Da hat dann eine Dame sich die Plüschtiere ihrer Familie von diesem Hund bringen lassen. Ein Verhaltensforscher hat das mitgekriegt und auf die Spitze getrieben: Das Tier konnte zu guter Letzt die Namen von mehreren Hundert Plüschtieren auseinanderhalten, also das richtige Plüschtier auf Zuruf holen. Und wenn der Name falsch war, blieb es einfach sitzen.

Wirklich?

Ja. Ob das nun ein Wolf kann, weiß ich nicht. Denn welcher Wolf braucht schon Plüschtiere? Der Hund braucht sie natürlich, um die Stimmung in der Familie positiv zu beeinflussen.

Der Hund ist ein absolutes Zivilisationsprodukt, oder?

Mit Sicherheit. Ein klassisches Produkt der Anpassung an die Zivilisation. Eines der ersten domestizierten Tiere überhaupt. Beim Hund ist der Mensch quasi der Rudelanführer, rein wölfisch betrachtet. Vielleicht fanden es die Menschen auch rein machomäßig klasse, den Wolf zum Hund zu domestizieren, also ein gefährliches Raubtier unter den Daumen zu kriegen.

Aber ganz haben sie es nicht geschafft.

Sie haben eher ein klassisches Korruptionsgeschäft gemacht: Ich gebe dir was und du gibst mir was.

Man sagt, der Hund sei der beste Freund.

Das sagen andere auch vom Pferd.