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Mit Rechten reden?

Kritik an deutschem Botschafter in Indien für Besuch einer faschistischen Organisation

  • Von Natalie Mayroth
  • Lesedauer: 3 Min.

Es sind Männer in beigen halblangen Hosen, weißem Hemd und Stock in der Hand. Die »Halfpants« gelten als Markenzeichen der »Nationalen Freiwilligenorganisation« RSS. Gerade Minderheiten wie Muslime sehen sich in Indien zunehmen von der hindunationalistischen Kaderorganisation eingeschüchtert, die derzeit sechs Millionen Mitglieder umfasst. Nicht zu Unrecht bezeichnet der deutsche Botschafter in Indien, Walter Lindner, die Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) deshalb als Massenbewegung in Indien. Bilder der Organisation erinnern an die NS-Vergangenheit. Nicht von ungefähr, einige RSS-Mitglieder sympathisieren mit NS-Deutschland.

Vergangene Woche wurde Lindner für sein öffentliches Treffen mit dem RSS-Führer Mohan Bhagwat scharf angegriffen. Seit Linders Amtsantritt im Mai war der 62-Jährige Jurist viel im Land unterwegs und informierte von seinen zahlreichen Treffen auf Twitter. So auch über den RSS-Besuch im Nagpur. Vor allem in Indien stieß das bei Intellektuellen auf. Dabei ist Lindner nicht der erste Diplomat, der mit der RSS das Gespräch suchte. Doch er ist einer der wenigen, der öffentlich darüber spricht.

Die RSS sei »ein Teil des Mosaiks, aus dem Indien besteht«, man könne ihre Existenz nicht leugnen, sagt er der indischen Tageszeitung »The Hindu«. Dennoch verschafft er ihr damit mediale Aufmerksamkeit. Das wird ihm nun angekreidet. Ebenso, dass er sich auf einem Foto mit Bhagwat zeigt. Eine Onlinepetition sammelt derzeit Stimmen für seinen Rücktritt. Anderseits ist die RSS und deren Einfluss auf die indische Politik in Deutschland kaum ein Thema, das ausführlich behandelt wird.

Ihre Mitglieder folgen der Hindutva, der Idee, das säkulare Indien in einen Hindustaat umzuwandeln. Seit dem Aufstieg der hindunationalistischen Volkspartei Bharatiya Janata Party (BJP) 2014 gewinnt auch die rechtsextreme RSS, die 1925 in Nagpur gegründet wurde, immer mehr an Einfluss. Aus ihren Reihen stammt neben dem erst kürzlich im Amt wiederbestätigten Premierminister Narendra Modi, der als junger Mann in der RSS Karriere machte, auch der Gandhi-Attentäter Godse. 1948 wurde Mahatma Gandhi erschossen, dessen Politik fanatischen Hindus zu muslimfreundlich war.

Die damals noch unbekannte Organisation stieg in der Zwischenzeit zu einer der kontroversesten und zugleich einflussreichsten Gruppierungen in Indien auf. Zweimal wurde sie verboten, es gelang ihr trotzdem, Unterverbände zu initiieren und die Hindutva in viele Bereiche des Lebens tragen. Selbst bezeichnen sie sich als Kulturverein, der enge Verbindungen zur Regierung unterhält. In Nagpur besuchte Lindner zudem das Prestigeprojekt des RSS-Mannes und Infrastrukturminister Nitin Gadkari: Eine Metro für die Dreimillionen-Einwohner-Stadt, mitfinanziert von deutschen Geldern. Doch die Bevölkerung wünscht sich zusätzliche Jobs - anstatt einer überirdischen Metro, so Nash Ali, die sich bei der Oppositionspartei Kongress engagiert.

Der medienaffine Diplomat Lindner teilte bewusst Artikel über seinen RSS-Besuch. Er hatte wohl nicht mit dem Ausmaß an negativen Reaktionen gerechnet. Für den Journalisten Sidharth Bhatia sendet er eindeutig falsche Signale, denn sie RSS habe nie ein Geheimnis aus ihrer Bewunderung von Adolf Hitler gemacht. Lindner steht damit vor einem Problem, dass es auch in Deutschland gibt: Wie ist mit Nationalisten umzugehen, die zunehmend an politischen Einfluss gewinnen? Unzureichend ist es, wie Lindner nach dem Treffen, auf Twitter auf die »nicht unumstrittene« Geschichte der RSS aufmerksam zu machen.

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