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Max-Dortu-Preis für Lebensretter vom Mittelmeer

Mannschaft des Rettungsschiffes »Iuventa« hat rund 14.000 Flüchtlinge aus der Seenot befreit

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

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Flüchtlinge sitzen bei einem Einsatz an Bord des Schiffes «Iuventa» der Nichtregierungsorganisation Iuventa Jugend im Mittelmeer. Jetzt wird die Mannschaft für ihre Rettungseinsätze ausgezeichnet.
Flüchtlinge sitzen bei einem Einsatz an Bord des Schiffes «Iuventa» der Nichtregierungsorganisation Iuventa Jugend im Mittelmeer. Jetzt wird die Mannschaft für ihre Rettungseinsätze ausgezeichnet.

Die tiefe Spaltung sowohl der deutschen als auch der europäischen Gesellschaft wurde deutlich, als am Montagabend im Potsdam-Museum der Max-Dortu-Preis 2019 übergeben wurde. Die Jury entschied sich dafür, den mit 5000 Euro dotierten Preis »für Zivilcourage und gelebte Demokratie« an die Mannschaft des Rettungsschiffes »Iuventa« zu übergeben, die insgesamt 14.000 Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet hat. 2017 beschlagnahmten italienische Behörden das Schiff. Der Crew drohen hohe Geldstrafen und sogar Gefängnis.

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) würdigte Mut, Tapferkeit und Mitmenschlichkeit der jungen Menschen, die sich mit der »Iuventa - Solidarity at Sea« auf das Mittelmeer begeben haben, um dort in Not geratene Menschen zu retten und in sichere Häfen zu bringen. Ihr Schiff sei festgesetzt worden mit der Behauptung, die Mannschaft paktiere mit Schleppern und betreibe illegale Flüchtlingshilfe. Auf sie warteten lange und kostspielige Gerichtsverfahren in Italien. Für den Oberbürgermeister zeigt sich an diesem Beispiel, dass der Rechtsstaat in Europa inzwischen bedroht und der Gültigkeit grundlegender Menschenrechte gegenüber ins Wanken geraten sei. Davon sei auch Deutschland nicht unbeeinflusst, so Schubert. Ein Brief in der Flüchtlingsangelegenheit, den er an das Bundesinnenministerium geschickt habe, sei unbeantwortet geblieben. So etwas sei früher undenkbar gewesen. Die Kriminalisierung der Flüchtlingsretter und die Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Menschen greife auch in Deutschland um sich.

Der Max-Dortu-Preis wurde zum zweiten Mal verliehen. Benannt wurde er nach dem in Potsdam geborenen Freiheitskämpfer Max Dortu (1826-1849), der als Teilnehmer an der Revolution von 1848/1849 nach deren Niederlage erschossen wurde.

Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan (SPD) nannte es eine Ehre und eine Ermutigung, dass sie die Laudatio auf die jungen Menschen sprechen durfte. Sie erinnerte an die Beschlüsse des Potsdamer Stadtparlaments, Menschen aufzunehmen, die aus Seenot gerettet wurden. Mit der Erklärung »Seebrücke schafft sichere Häfen« werde praktisch umgesetzt, was die Moral der Sonntagsreden eigentlich auch von anderen deutschen Politikern fordere, so Schwan.

In ihrer Rede setzte sich auch mit dem flüchtlingsfeindlichen Argument auseinander, man müsse sich in der Flüchtlingspolitik Australien zum Vorbild nehmen. Das, so Schwan, würde bedeuten, Menschen in extrem unwürdigen Unterkünften auf abgeschiedenen Inseln einzusperren. Leider hätten sich viele Politiker und auch Bürger an solche Gedanken inzwischen gewöhnt. Solch eine praktizierte Unmenschlichkeit, sagte Schwan, führe letztlich und unwiderruflich zur Zersetzung der Gesellschaft von innen. Schwan warb dafür, in der Flüchtlingskrise eine Solidaritätskrise zu sehen und trat für die Verteidigung der Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität ein.

Der Potsdamer Sascha Girke, selbst Einsatzleiter auf der »Iuventa«, zitierte mehrere internationale Konventionen, die zur Rettung von Menschen in Seenot verpflichten. Doch »die EU lässt Menschen wissentlich ertrinken«, sagte er. Angesichts der Vielen, die auf der Flucht ihr Leben lassen mussten, »wäre eine Schweigeminute angebracht«.

Wie grausam und geschichtsvergessen müsse ein Politiker sein, der hier nur noch die kalte Schulter zeige, kritisierte Girke den Bundesinnenminister Horst Seehofer (CDU). Girke erinnerte an eine europäische Konferenz vor 81 Jahren, die den Beschluss gefasst habe, Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland kein Asyl mehr zu gewähren.

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