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Lunapharm tritt ans Licht

Chefin weist die im Pharmaskandal erhobenen Vorwürfe zurück und verlangt Schadenersatz

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Lunapharm Deutschland GmbH mit Sitz in Mahlow (Teltow-Fläming) soll in griechischen Kliniken durch Ärzte und Krankenschwestern gestohlene und durch unterbrochene Kühlketten möglicherweise unwirksame Krebspräparate an deutsche Apotheken und Krankenhäuser geliefert haben. Brandenburgs Landesgesundheitsamt soll auf Hinweise zu diesen kriminellen Machenschaften zunächst nicht angemessen reagiert haben.

So hieß es - und das hat dazu geführt, dass Gesundheitsministerin Diana Golze (LINKE) im August 2018 zurücktreten musste. Ausgetauscht wurde in der Folge auch ihre Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt. Golze hatte von den Dingen zunächst keine Kenntnis. Aber genau das wurde ihr zum Vorwurf gemacht: Dass sie nicht wisse, was in ihrem Ministerium und im Landesgesundheitsamt vorgehe, dass sie ihr Ressort nicht im Griff habe. Außerdem hätte Golze dafür sorgen sollen, dass die Medikamentenaufsicht im Gesundheitsamt bei Sparmaßnahmen der rot-roten Landesregierung nicht personell ausgedünnt wird. Der Landtag reagierte inzwischen und bewilligte mehr Stellen. Lunapharm wurde vom Gesundheitsamt dauerhaft die Erlaubnis zum Herstellen von und zum Handeln mit Medikamenten entzogen. Die zurückgehaltenen Proben der Krebspräparate erwiesen sich in Labortests übrigens als einwandfrei. Daher besteht Anlass zu der Annahme, dass kein Patient zu Schaden kam, obwohl dies niemand mit Sicherheit sagen kann. Die Angelegenheit könnte zu den Akten gelegt werden. So schien es.

Doch die GmbH weist alle Vorwürfe zurück und verlangt jetzt vom Land Brandenburg 70 Millionen Euro Schadenersatz, außerdem eine Entschädigung vom ARD-Magazin »Kontraste«, das mit seinen Berichten den Stein ins Rollen gebracht hatte. Die Forderung der GmbH werde vom Gesundheitsamt geprüft, erklärte Gerlinde Krahnert, Sprecherin der neuen Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (LINKE). »Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen.«

»Lunapharm ist massiver Schaden entstanden, den die Verursacher nun zu erstatten haben«, erläuterte Firmensprecher Klaus Kocks am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz im Dorint-Hotel Potsdam. »Es sind keine Krebsmedikamente in Griechenland gestohlen gemeldet worden, und es wurde keine Hehlerware erworben«, beteuerte Kocks. Er sagte auch: »Der angebliche Belastungszeuge in Person eines stellvertretenden Gesundheitsministers in Griechenland, ein einschlägiger Parteistratege der krypto-kommunistischen Syriza-Partei, ist nicht mehr im Amt. Während seiner Amtszeit hat er zwar irrlichternde Interviews gegeben, aber von einer behördlichen Dokumentation der angeblichen Arzneidiebstähle vollständig abgesehen.« Kocks beschwerte sich, dass die Vorwürfe der ARD soweit gegangen seien, dass in Mahlow »angeblich eine ominöse Zentrale einer Krebsdrogenmafia ansässig gewesen sei«.

Lunapharm-Inhaberin Susanne Krautz-Zeitel habe dazu lange geschwiegen, auf Anraten ihrer Rechtsanwälte. Doch nun meldete sich Krautz-Zeitel zu Wort. Sie versicherte: »Alle Waren wurden in unserem Verantwortungsbereich regulär gehandelt.« Nachdem sie erfahren habe, dass der Lieferant, eine Apotheke in Athen, keine gültige Handelserlaubnis habe, sei von dort ab 2017 keine Ware mehr bezogen worden. Auch Berichten über illegale Geschäfte beispielsweise mit Importen aus Italien widersprach Krautz-Zeitel.

Es kam in der Pressekonferenz zu einem Schlagabtausch mit Journalisten vom ARD-Magazin »Kontraste«, die im Saal nicht filmen durften. Die Journalisten wiesen darauf hin, dass ausweislich von Abhörprotokollen der griechischen Polizei Krautz-Zeitel noch im Jahr 2018 telefonisch bei der Apotheke in Athen bestellt habe. Sprecher Kocks schimpfte: »Sie zitieren aus nicht authentischen Quellen. Fake!« Krautz-Zeitel beklagte, ihr guter Name in der Branche, aufgebaut innerhalb von 30 Jahren, sei nun zerstört. In ihrem Bekanntenkreis herrsche Unverständnis: Warum dürfe jeder Patient ungestraft in die Athener Apotheke gehen und sich mit Rezept ein Medikament holen, aber wenn Lunapharm dort einkaufe, dann sei dies angeblich illegal? Im Jahr 2018 habe die Lunapharm GmbH noch 25 bis 30 Millionen Euro Umsatz gemacht, inzwischen liege diese Zahl bei Null. Ein kleines ostdeutsches Familienunternehmen mit sieben Mitarbeitern sei kaputtgemacht worden, hieß es. Krautz-Zeitel habe alle Mitarbeiter entlassen müssen.

Sprecher Klaus Kocks machte Andeutungen, dass möglicherweise ein missgünstiger Konkurrent die Sache mit unberechtigten Anschuldigungen ins Rollen gebracht habe.

Die rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Lunapharm und ARD laufen weiter.

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