Im Namen der Kunst

Das Ideal des »Künstler-Genies« fördert Machtmissbrauch am Theater.

  • Von Ulrike Wagener
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

»Kill the Theaterfolklore« - mit diesem Motto adressiert das Ensemble-Netzwerk seit einiger Zeit die Arbeitsbedingungen in Theaterbetrieben. Mit der Folklore ist wohl der gewisse Glorienschein gemeint, der dem Theater als Institution gemeinhin immer noch anhaftet. Außer dem Wissenschaftsbetrieb gibt es wohl kaum eine andere Institution, die sich so stark hierarchisch auf eine Person hin orientiert, während sie sich gleichzeitig progressiv und herrschaftskritisch gibt.

Metoo hat die Filmbranche aufgewirbelt, es ist höchste Zeit, dass der Theaterbetrieb folgt. Damit ist keinesfalls gemeint, allein den Sexismus von Männern in Machtpositionen zu kritisieren. Sondern auch die zugrundeliegenden Machtstrukturen zu hinterfragen, die dazu beitragen, untragbare Arbeitsbedingungen als normal erscheinen zu lassen. Umstände, die es mit Freude zu ertragen gilt - im Namen der Kunst. Auf der Bühne gibt man sich tiefsinnig und gesellschaftskritisc...


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