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»Nicht für Befriedigung konzipiert«

Sexspielzeug und Sozialismus: über die Anwendungsvielfalt von Massagegeräten

  • Von Kim Schröther
  • Lesedauer: 3 Min.

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Je bunter, desto besser? Dieser Besucher des CSD in Berlin scheint jedenfalls auf farbenfrohe Dildos zu stehen.
Je bunter, desto besser? Dieser Besucher des CSD in Berlin scheint jedenfalls auf farbenfrohe Dildos zu stehen.

Das Gerät mit der nüchternen Bezeichnung »Typ Nr. 01« sollte die Durchblutung fördern, die Muskeln entspannen und zudem versprach der Aufdruck auf der Verpackung: »steigert das Wohlbefinden«. Welcher Art, das ließ man im VEB Kombinat Elektroprojekt und Anlagenbau Berlin offen. Wer eines der Massagegeräte »Massinet« benutzte, hatte schließlich Gelegenheit, das ganz allein oder zu zweit herauszufinden. In einer späteren Version des DDR-Massagegeräts – es hieß nun »Nr. 2« – zeigte die Verpackung eine barbusige Frau, die sich mit dem »Massinet« das Dekolleté bearbeitet.

Das Nostalgiestück hat bei der Kulturwissenschaftlerin Nadine Beck Interesse geweckt, die derzeit zur Geschichte des Vibrators in Deutschland forscht und dabei auch erfahren will, so hat es eine Thüringer Zeitung formuliert, »ob und wie Geräte in der DDR genutzt wurden, die eigentlich nicht für die Befriedigung konzipiert wurden«. Ihre »zentrale Frage« sei, so Beck: »Gab es etwas, das vibrierte und als Sexspielzeug verwendet wurde?«

Sexspielzeug und Sozialismus, die Kombination mag einige Assoziationen hervorrufen, die nicht recht zueinander passen. Auf der einen Seite die viel beschworene freizügigere Haltung der DDR-Menschen, auf der anderen Seite die dem technologischen Stand oft hinterhertrabende Konsumgüterproduktion. »Im reizarmen Alltag der DDR gab es neben dem Alkohol kaum ein Vergnügen, das so leicht zugänglich war wie der Beischlaf«, so hat es einmal Jens Bisky formuliert. Aber wie zugänglich war Sexspielzeug?

In der älteren DDR-Literatur, in der es etwa wie in einem »Heft des Propagandisten« Anfang der 1950er Jahre um »die Liebe, die Ehe und die Familie in der Sozialistischen Gesellschaft« ging, ist von Selbstbefriedigung nicht einmal die Rede. Sexualität wurde vor allem unter der Maßgabe gesellschaftspolitischer Normative betrachtet, Frauen hatten die »Pflichten des Mutterseins«, außerehelicher Sex galt als bourgeois, man kam mit Friedrich Engels’ »Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats« daher und lobte die befreiende Wirkung des Sozialismus für die Ehe. In Rudolf Neuberts »Das neue Ehebuch« von 1975 findet Masturbation nur als Stichwort im anhängenden »kleinen sexologischen Wörterbuch« statt. Doch die Zeiten änderten sich. In Siegfried Schnabls »Mann und Frau intim«, so etwas wie die Bibel der Sexualaufklärung in der DDR, wird ganz selbstverständlich auch der Selbstbefriedigung ein Kapitel gewidmet. Mit hilfreichen Hinweisen. Auf Vibratoren aber konnte nicht verwiesen werden, wo es keine gab.

Einem alten Ostwitz zufolge konnten sich Sex-Shops in der DDR deshalb nicht durchsetzen, »weil Trabbifahren besser wirkt als jeder Vibrator«. Elektromechanische Sexspielzeuge sah das sozialistische Warenangebot jedoch nicht vor – allerdings waren eben doch eine ganze Reihe an Geräten erhältlich, die diesen Zweck erfüllen konnten. Ob das nun Massagegeräte mit Namen wie »Ideal«, »Dixette« oder »Komet« waren, Beck interessiert, ob diese »wirklich nur das Gesicht massiert« haben oder ob »diese auch anders verwendet« wurden. Es gebe da »eine Forschungslücke zu Sexualität und Technik«, schließlich sei der Vibrator »ein so tolles Gerät, das einfach nur Freude bereitet«.

»Im SED-Politbüro dachte man vielleicht: Wenn die Menschen miteinander und im Bett glücklich sind, dann kommen sie nicht auf dumme politische Gedanken«, so ist Schnabl, der 2015 starb, einmal nach der Wende zitiert worden. Nach Unterschieden in der Sexualität von Ost- und Westdeutschen gefragt, antwortete er einige Jahre zuvor zu seinem 80. Geburtstag: »Es gab keine wesentlichen.« Man darf ergänzen: Im Westen gab es schon vor 1990 echte Vibratoren.

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