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Der Donald Trump der Oberstudienräte

Tim Wolff über den faktenflexiblen »Zeit-Magazin« Kolumnisten Harald Martenstein

  • Von Tim Wolff
  • Lesedauer: 3 Min.

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Harald Martenstein: Der Donald Trump der Oberstudienräte

Jetzt, da sich Jan Fleischhauer in die Anonymität der Wartezimmerlektürenwelt zurückzieht, Matthias Matussek sogar Nazis peinlich geworden ist und der Rest der alten Garde raunender Rechtshaber ins netzpublizistische Alternativdeutschland gezogen ist, wen haben wir noch? Wer bietet noch das alte erkenntnisresistente, faktenflexible Anrennen gegen einen fantasierten linken Mainstream? Kurz: Was schreibt eigentlich Harald Martenstein derzeit in seine »Zeit-Magazin«-Kolumne?

»Neulich bekam ich einen Leserbrief« - na, schau an, immerhin bekommt er noch welche -, »einen Leserbrief, in dem mir wieder mal vorgeworfen wurde, dass ich weiß bin.« Wer nur zweimal Martenstein gelesen hat, weiß jetzt schon, was kommt. »Wenn ich die Formulierung ›weißer Mann‹ lese oder höre, als negative Kennzeichnung einer Person, schalte ich sofort ab.« Wenn das nur stimmen würde! Stattdessen springt er natürlich an - auf denkbar kindischste Weise: »Ich denke dann nämlich, dass es sich bei meinem Gegenüber um einen Dummdödel handelt. Ich habe den Briefautor gegoogelt. Er ist selber weiß!« Ha, Treffer, versenkt! Aber kein Grund, nicht noch Arschironie hinterherzukübeln: »War ihm dieser Widerspruch nicht aufgefallen? Vielleicht denkt er, dass Hautfarbe nur eine soziale Konstruktion ist, und empfindet sich als Schwarzer. Aber woher will er wissen, dass es bei mir nicht genauso ist? Auch schwarze Autoren können Unfug schreiben.« Mag sein, aber für derartigen braucht es schon Privilegien, die nur die Martensteins dieser Welt genießen. Zum Beispiel das Privileg, argumentativ sinnlos »jüdischen Selbsthass« aufzurufen, ohne dass ihn jemand dafür ohrfeigt: »Ein Weißer, der anderen Weißen ihr Weißsein vorwirft, könnte unter Selbsthass leiden, über den jüdischen Selbsthass wurde ja einiges geschrieben.«

Eines ist jedenfalls sicher: Martenstein durchschaut seine Gegner lässig. »Wahrscheinlicher aber ist, dass er so denkt: Ich bin einer von den guten Weißen ... Wir sind schuldig, an dem ganzen Unglück auf der Welt. Menschen, sage ich dazu, können nicht durch den Zufall der Geburt oder durch ihr Aussehen schuldig, minderwertig oder verurteilenswert sein. Wer so denkt, sollte sich klarmachen, dass er Rassist ist. Ein moderner Rassist, sozusagen die vegane Version.«

Wozu in die Ferne schweifen und den US-amerikanischen Präsidenten schmähen, wenn wir hierzulande - im Kampfblatt des ideellen Gesamtoberstudienrats - einen fleischfressenden Rassisten haben, dem als Erwiderung auf das Offensichtliche nur einfällt, postpostmodern zurückzurufen: Du bist aber der Rassist, bäh! Donald Trump braucht dafür nur nicht solch einen langen, dummdödeligen Anlauf.

Martenstein weiß auch, weswegen sein Leserbriefschreiber der wahre Rassist ist: »Wir plappern auch alles nach, vor allem wenn es der Karriere nützt. Auch das Recht des Stärkeren ist immer noch modern, heute machen halt andere davon Gebrauch. Insofern habe ich viel Verständnis für Menschen mit hellbraunem Teint, die von sich behaupten, sie seien nicht weiß, obwohl sie’s besser wissen.« Ja, das stimmt natürlich: Nichts nützt der Karriere mehr, als alte weiße Männer alte weiße Männer zu nennen! Denn die sind so schwach, dass sie sich gegen nichts mehr wehren können. Außer natürlich Harald Martenstein, dem weißesten, Entschuldigung: weisesten Mann der Zeit und Rächer der Entmachteten. Wie schafft er es bloß, seine Kolumne zu behalten?

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