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Die Krise, über die niemand spricht

Rund ein Viertel der Weltbevölkerung leidet unter extremem Wassermangel

  • Von Susanne Schwarz
  • Lesedauer: 4 Min.

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Chennai ist das Wasser ausgegangen. Schon seit Wochen ist es in der südindischen Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt am Indischen Ozean viel zu heiß und zu trocken. Während Chennai vor vier Jahren unter fast unkontrollierbaren Fluten litt, müssen jetzt Spezialzüge das kühle Nass in die Stadt transportieren, um die Bevölkerung vor dem Verdursten zu retten.

Die Hauptstadt des Bundesstaates Tamil Nadu hat bereits mehrere »Tage null« erlebt - an diesen kam kein Wasser mehr aus der Leitung. Kurz vor diesem Problem stehen aktuell zahlreiche Regionen: 17 Länder, in denen rund ein Viertel der Weltbevölkerung lebt, seien einem extremen Trockenheitsrisiko ausgesetzt, wie es im am Dienstag erschienenen neuen »Wasserverfügbarkeitsbericht« des gemeinnützigen US-Thinktanks World Resources Institute (WRI) heißt. Dort verbrauchten Landwirtschaft, Industrie und Kommunen 80 Prozent des verfügbaren Oberflächen- und Grundwassers, schreiben die Forscher. Schon kleinere Dürren reichten dann aus, um die Bevölkerung in schwere Wasserkrisen zu stürzen. In Indien verschärften zudem die Abholzung von Wäldern, das Umleiten von Flüssen zur Bewässerung von Feldern sowie der Anbau bewässerungsintensiver Pflanzen das Problem.

Die »globale Wasserkrise« sei eine unterschätzte Gefahr, meint WRI-Chef Andrew Steer. »Wassermangel ist die größte Krise, über die niemand spricht.« Die Konsequenzen seien »schon in Sicht in Form von Nahrungsknappheit, kriegerischer Konflikte, Migration und finanzieller Instabilität«. Neue Lösungen für das Problem seien in Arbeit, »aber nicht im Entferntesten schnell genug«, so der Wirtschaftswissenschaftler.

Zwölf der 17 besonders betroffenen Länder liegen im Nahen Osten und in Nordafrika, darunter Libyen, Israel, Libanon und Saudi-Arabien. Auf Platz 13 liegt Indien, wo dreimal so viele Menschen wie in den anderen 16 Ländern zusammen leben. Auch einige europäische Länder gelten als zumindest relativ stark gefährdet, darunter Belgien, Griechenland, Spanien, Portugal und Italien.

Deutschland steht auf Platz 62 der Liste. Das bedeutet, dass »Tage null« zwar nicht kurz bevorstehen, aber immer noch ein hohes bis mittleres Risiko für Wassermangel herrscht. Laut dem Umweltbundesamt gibt es hierzulande noch keinen »Wasserstress«, doch die Lage sehe je nach Bundesland unterschiedlich aus. »Weitere aufeinanderfolgende trockene Sommer mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter hätten in jedem Fall negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit«, warnt die Behörde. »Darauf müssen sich alle Wassernutzer, auch die Wasserversorger einstellen.«

Auch in Deutschland gibt es schon schmerzhafte Dürrefolgen. Im vergangenen Jahr haben Bund und Länder 340 Millionen Euro in Hilfszahlungen an Landwirte gesteckt, die infolge der wochenlangen Trockenheit in ihrer Existenz gefährdet waren. Der Bauernverband hatte sogar eine Finanzspritze von einer Milliarde Euro gefordert. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner stufte die Dürre als »außergewöhnliches Wetterereignis von nationalem Ausmaß« ein.

Ob das dieses Jahr wieder nötig sein wird, ist noch nicht heraus. Fakt ist aber, dass der Boden mit deutlich schlechteren Bedingungen startete als im vergangenen Jahr. Eine Dürre wirkt manchmal Jahre nach, denn ist ein Defizit erst einmal aufgebaut, reichen normale Niederschläge nicht, um es wieder auszugleichen.

Mit dem Klimawandel wird sich das Problem an vielen Orten der Welt verschärfen: einerseits durch veränderte Regenmuster, andererseits durch zunehmende Hitzetage, an denen mehr Wasser verdunstet. Außerdem verbraucht die Welt immer mehr Wasser, vor allem durch Bevölkerungszuwachs und fortschreitende Urbanisierung. Seit den 1980er Jahren steigt der Wasserverbrauch weltweit um etwa ein Prozent pro Jahr an, zeigt ein Bericht der Vereinten Nationen. Es wird erwartet, dass der globale Wasserbedarf bis 2050 in ähnlicher Größenordnung weitersteigen wird - das würde einen Anstieg um 20 bis 30 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau bedeuten.

Dennoch hält das World Resources Institute Wassermangel für abwendbar, wie WRI-Direktorin Betsy Otto sagte: »Mit besserer Information, Planung und Wassermanagement und bewährten Lösungsansätzen wie effizienter Bewässerung, dem Stopfen von Lecks, dem Recyceln von Schmutzwasser und dem Schutz von Grundwasser - damit können wir die Richtung ändern, in die wir uns bewegen.«

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